Fred SchmidPrivates Geldvermögen: Steigt... und steigt … und …Nach Angaben von Allianz Global Investors stieg das private Geldvermögen in Deutschland im vergangenen Jahr auf eine Höhe wie nie zuvor, auf fast fünf Billionen Euro. Genau: 4.880.000.000.000 Euro. Der leichte Einbruch im Krisenjahr 2008 war bereits im Folgejahr 2009 wettgemacht worden; 2010 ging es wieder in die Vollen. Geldvermögende kennen keine Krise. Ihren Geldreichtum vermehrten sie im Vorjahr um 220 Milliarden Euro. Die Geldvermehrung ist doppelt so hoch wie der Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts (BIP) mit 100,5 Mrd. Euro. Das zeigt, dass der Anspruch des Geldvermögens an die realen produzierten Werte längst nicht mehr erfüllt werden kann. Das wird auch deutlich an der Entwicklung des Geldvermögens in den letzten Jahrzehnten: Mit 4,88 Billionen Euro ist es heute dreimal so hoch wie 1991 (1,6 Bio. Euro) – das BIP ist in der gleichen Zeit nur um 57% gewachsen. Und es ist jetzt doppelt so hoch wie das jährliche BIP (2,49 Billionen Euro). Die Geldvermögensbesitzer haben mit ihren Geldtiteln quasi Anspruch auf zwei Jahres-BIP. Mit dem Ansteigen der Geldflut nimmt der Verwertungsdruck der Geldmassen zu. Die Geldvermögensströme rasen um den Globus, von Finanzmarkt zu Finanzmarkt, auf der Suche nach möglichst hohen Zinsen und Renditen:
Da die Regierungen in den kapitalistischen Industrieländern nicht willens und fähig sind, die Geldmassen über Steuern – z.B. Millionärsteuer – wirksam abzuschöpfen, steigt die Geldflut weiter, nimmt der Druck auf den Damm zu, mit der Gefahr eines erneuten Bruchs und einer neuen, noch zerstörerischen Finanzkrise. Gegen die verheerende Flutwelle nützen dann auch die größten "Rettungsschirme" nichts mehr. Und schon gar nicht Flickschustereien, in Form von lauen Finanzmarktregeln, wie sie seit drei Jahren diskutiert, aber nicht einmal im Ansatz umgesetzt werden. Solange die Flut steigen kann, wird sie eines Tages auch eine Schwachstelle finden und durchbrechen – Finanzmärkte und Realwirtschaft in den Strudel ziehen. Das Problem ist nicht der Damm, das Problem ist die Flut. isw e.V., 17. Januar 2011 Zurück zur Homepage |