Fred Schmid2000 – 2010: Verlorenes Jahrzehnt für Arbeitnehmer: 2,9 % Reallohnverlust2010 (jeweils je Arbeitnehmer:
Das Lohnplus im Jahr 2010 kann zudem nicht darüber hinwegtäuschen, dass die erste Dekade des neuen Jahrhunderts für die Arbeitnehmer im wesentlichen ein verlorenes Jahrzehnt war. Von zehn Jahren waren sieben mit Reallohnverlust verbunden. Die nominalen Nettolöhne stiegen während der gesamten zehn Jahre um insgesamt 13,9% pro Arbeitnehmer, also im Durchschnitt um knapp 1,4% pro Jahr. Und dieser Anstieg wurde durch die Preissteigerung von durchschnittlich 1,68 % (10 Jahre: 16,8 %) mehr als aufgezehrt. Per Saldo ergab sich für die Dekade ein gesamter Reallohnverlust von 2,9%. Die Beschäftigten hatten also am Ende fast drei Prozent weniger an Kaufkraft in der Tasche. (Nach Berechnungen der ILO in ihrem Global Wage Report 2010/11 sind die Reallöhne in Deutschland von 2000 bis 2009 um 4,5% gesunken).
Von wegen Konsumboom
Ausblick 2011:
ILO: Deutschland – Niedriglohn-LandDeutschland ist neben Japan das einzige Industrieland, bei dem im vergangenen Jahrzehnt die Reallöhne sanken. Wie die Internationale Arbeitsorganisation ILO in ihrem "Global Wage Report 2010/11" feststellt, sind die preisbereinigten globalen Durchschnittslöhne von 2000 bis 2009 um knapp ein Viertel gestiegen. In Japan dagegen sind sie um 1,8% gesunken, in Deutschland gar um 4,5%. Spitze! Und die ILO schreibt dazu: "Neben den moderaten Tarifabschlüssen der vergangenen Jahre sind die Ausweitung des Niedriglohnsektors und die Zunahme atypischer Beschäftigungsformen – wie Zeitarbeit und 400-Euro-Jobs – wesentliche Gründe für das schlechte Abschneiden Deutschlands." (Global Wage Report, Datenblatt Deutschland, S.2/4). Unter atypischer Beschäftigung werden nach der Definition des Statistischen Bundesamtes alle abhängigen Beschäftigten verstanden, die eines oder mehrere der folgenden Kriterien aufweisen: Befristung, Teilzeitbeschäftigung mit 20 oder weniger Stunden, Zeitarbeitsverhältnis, geringfügige Beschäftigung. Die Zahl der Menschen in atypischer Beschäftigung ist in Deutschland von 5,29 Millionen im Jahr 1998 auf 7,72 Millionen im Jahr 2008 angestiegen – plus 46 Prozent – während gleichzeitig die Zahl der Normalarbeitnehmer von 23,71 Millionen (1998) auf 22,93 Millionen gesunken ist (destatis, Pressegespräch, 19.8.09). Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes liegen die Stundenverdienste atypisch Beschäftigter um rund ein Drittel unter denen von Normalarbeitnehmern.Wie die ILO feststellt, gehört Deutschland neben Argentinien, Spanien, Polen und Südkorea zu den Ländern, in denen der Niedriglohnbereich am schnellsten gewachsen ist. Nach Untersuchungen des Instituts für Arbeit und Qualifikation (IAQ), waren 2008 18,4% aller Beschäftigten oder 6,55 Millionen Personen im Niedriglohnsektor angesiedelt: knapp 13% aller Vollzeitbeschäftigten, 25% der sozialversicherungspflichtigen Teilzeitbeschäftigten, fast 40% der befristet Beschäftigten und 86% der Minijobber (nach WSI, 12/2010, Seite 638). "Bemerkenswert ist dabei nicht die gestiegene Zahl der Niedriglohnempfänger; mindestens ebenso problematisch ist nach IAQ ihr gleichzeitig gesunkenes Durchschnittseinkommen. Es findet eine Armutsintensivierung in der sich ausbreitenden Armut trotz Arbeit statt.“ (ebenda). (Vorabdruck aus isw-wirtschaftsinfo 44 "Bilanz 2010 – Ausblick 2011"; erscheint Anfang April 2011). isw e.V., 10. Februar 2011 Zurück zur Homepage |