Hunderte Milliarden Dollar – Hunderttausende Menschenleben

Der aus Texas stammende US-Präsident versprach „Guns and butter“. Der Krieg sollte nur 10 Milliarden Dollar kosten, binnen kurzer Zeit siegreich beendet sein und einem großzügigen Ausbau des Sozialstaates nicht im Wege stehen. So zu lesen im Wirtschaftsbericht von Lyndon B. Johnson aus dem Jahre 1966. Sieben Jahre später erlitten die USA in Vietnam ihre größte militärische Niederlage, 58 Tausend Soldaten waren gefallen, die fiskalischen Kosten beliefen sich auf 347 Milliarden Dollar, Budgetdefizit und Inflationsrate waren in die Höhe geschossen. Von der humanitären Katastrophe für Vietnam gar nicht zu reden.

Auch der Texaner George W. Bush versprach zu Neujahr 2003 einen kurzen und „billigen“ Krieg. Dieses imperial-größenwahnsinnige Gehabe hat er mit Blitzkriegsstrategen der Vergangenheit gemeinsam. Die um die Bush-Administration gruppierte Öl-Mafia und Rüstungskamarilla setzt auf Kriegskonjunktur und fette Profite aus Rüstungsproduktion und anschließender Öl-Bonanza. Bei einem „kurzen und erfolgreichen Krieg“, so das Szenario, käme der Irak unter anschließende US-Militärverwaltung, die Öl-Multis würden die veralteten Öl-Anlagen modernisieren und dann fördern was das Zeug hält. Aus den Erdöl-Erlösen wären die Investitionen zu finanzieren, der Ölpreis würde rapide sinken und so die Erholung der Weltkonjunktur beflügeln. Die „Analysten“ der „Financial Times“: „Ein erfolgreicher Krieg würde die Unsicherheit in der Weltwirtschaft nehmen“.

Etwas nüchternere Kapitalvertreter verweisen dieses best-case-Szenario in den Bereich der Illusion. Bundesbankpräsident Welteke: „Meine Befürchtung ist, dass der Krieg regional und zeitlich möglicherweise nicht zu begrenzen ist“. Dann aber drohe eine Destabilisierung der gesamten Region, brennende Ölfelder und ein politischer Flächenbrand, ein „heiliger Krieg“ gegen die Amerikaner. Der Ölpreis würde explodieren und die Weltwirtschaft zum Einsturz bringen. Die unterschiedlichen Einschätzungen über den politischen und ökonomischen Ausgang des Irak-Abenteuers erklären auch einen Teil der Differenzen und Meinungsverschiedenheiten der globalen Herrschafts-„Eliten“ in Staatsapparaten und Konzernzentralen. Siemens-Chef von Pierer und andere Top-Manager machten sich auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos Sorgen um die weltwirtschaftlichen Folgen eines Krieges.

Selbst bei einem „sauberen“ und extrem kurzen Krieg von etwa sechs Wochen, würden sich die Kosten auf 120 Milliarden Dollar belaufen. Das ist das Zwölffache dessen, was die USA jährlich an Entwicklungshilfe bereit stellen. Zu diesem Ergebnis kommt der renommierte US-Ökonom William D. Nordhaus in einer Studie der Yale-Universität über die wirtschaftlichen Folgen eines Irak-Krieges. Er selbst rechnet jedoch mit einem längeren, schwierigen Krieg mit anschließender jahrelanger US-Besatzung: Die reinen Kriegskosten beliefen sich dann auf 140 Milliarden Dollar, die zu erwartenden Gesamtkosten auf 1.900 Milliarden Dollar. Die Kosten einer Militärbesatzung würden die USA nicht alleine tragen, sondern zum großen Teil ihren Verbündeten und NATO-Partnern auflasten. Dazu kämen die konjunkturellen Schäden, die nicht auf ein Land beschränkt blieben. Nordhaus: „Wenn es einen längeren, komplizierten Krieg gibt, werden wir erneut in eine Rezession schlittern“. Auch die UN rechnet bei einem Irak-Krieg mit einer globalen Rezession.

Tote, Verletzte, Hungernde

Menschenleben, insbesondere die verheerenden Folgen eines Krieges für die irakische Bevölkerung, kommen in den perversen Kalkulationen der Analysten des Todes nicht vor. In einer geheimen Planungsstudie der UNO mit dem Titel „Voraussichtliche humanitäre Szenarien“ muss bei einem Krieg mit einer halben Million toter und verletzter Iraker gerechnet werden. Man stelle sich nur das Massaker unter der Zivilbevölkerung bei einer Schlacht um die Fünf-Millionen-Stadt Bagdad vor. Die irakische Bevölkerung werde wesentlich stärker leiden müssen als im Golfkrieg 1991, schreibt die UNO. Sie rechnet mit einer Million Flüchtlinge, die im Lande umherirren. Prekär würde sich die Ernährungslage gestalten. Schon heute sind 60 Prozent der 26 Millionen Iraker von Lebensmittelhilfen abhängig. Das durch das Embargo ohnehin schon geschwächte Gesundheitssystem – vor dem Embargo war es das beste im Vorderen Orient – würde total zusammen brechen. Ulrich Gottstein von der deutschen Sektion „Internationaler Ärzte für die Verhütung eines Atomkrieges“ (IPPNW), der den Irak mehrmals bereiste, weist darauf hin, dass beim Bush-Krieg 1991 von der US-Luftwaffe Elektrizitätswerke, Wasserwerke und Kläranlagen gezielt zerstört worden seien: „Die Menschen schöpften aus den Flüssen ihr Trinkwasser. Die Folgen waren Typhus und Cholera. Allein im ersten Jahr starben 170.000 Kleinkinder und Säuglinge daran“.