Prof. Michel Chossudovsky: „Bush-Regierung hat sich auf ein militärisches Abenteuer eingelassen, das die Zukunft der Menschheit bedroht“.

Der kanadische Wirtschaftsprofessor Michel Chossudovsky ist einer der führenden Köpfe der Globalisierungskritik. Anfang Februar weilte er in München und stellte in einer „Lesung“ im Literaturhaus vor über 500 Besuchern sein neues Buch „Global brutal: Der entfesselte Welthandel, die Armut, der Krieg“ (Verlag Zweitausendeins) vor. In seinen Vortrag führte er ein: „Wir befinden uns gegenwärtig am Wendepunkt der ernstesten Krise der modernen Geschichte. Nach den tragischen Ereignissen des 11. September hat sich die Bush-Regierung auf ein militärisches Abenteuer eingelassen, das die Zukunft der Menschheit bedroht. Es ist die größte Militäroperation seit dem 2. Weltkrieg.

Nach Aussagen des Pentagons wird eine Viertelmillion Soldaten der verschiedenen Koalitions-Streitkräfte an dem Einmarsch in den Irak beteiligt sein. Hochentwickelte, tödliche Hightech-„Star Wars“-Waffen sollen eingesetzt werden. Zum Zweck der Selbstverteidigung schließen die USA den Einsatz von Nuklearwaffen nicht aus. Die Bush-Regierung behauptet, dass so genannte „Mini-Nukes“ für die Zivilbevölkerung unschädlich seien. Das ist eine Lüge. Das ist Teil der Regierungspropaganda.

Sie haben sogar erklärt, dass sie gegen Osama bin Ladens al Quaida eventuell auch Atomwaffen einsetzen würden. Mit anderen Worten, Präsident Bush schließt den vorsorglichen Atomwaffeneinsatz bei einem Erstschlag nicht aus. Im Falle eines konventionellen Krieges gegen den Irak rechnet IPPNW (Internationale Ärzte zur Verhinderung des Atomkriegs) mit 500.000 Todesopfern, bei einem Atomschlag wären es 3,9 Millionen.

Washingtons erklärtes Ziel ist nicht „die Wiederherstellung der Demokratie im Irak“, sondern wie nach dem 2. Weltkrieg in Japan, die Errichtung einer US-Militärregierung. Die irakische Wirtschaft wird wieder in Gang gebracht und den großen Ölreichtum des Landes übernehmen die britisch-amerikanischen Öl-Giganten.

Neoliberalismus ist ein integraler Bestandteil der Kriegsziele. Der Internationale Währungs-Fond (IWF) und die Weltbank sollen beim Wiederaufbau des Nachkriegs-Iraks behilflich sein.

Ein Krieg gegen den Irak hat Auswirkungen auf eine weit größere Region, die sich vom Mittelmeer über den Mittleren Osten bis nach Zentralasien und die Westgrenze Chinas erstreckt und bereits Schauplatz mehrerer Kriege ist. Das Pentagon hat auch erklärt: zuerst Irak und dann Iran. Es besteht also die Absicht, die Kriegshandlungen auch auf Iran auszuweiten.

Ein Dokument des Nationalen Sicherheitsrates der Clinton-Regierung von 1995 stellt fest, dass Öl das Ziel dieses Krieges sei: um den Vereinigten Staaten den ungehinderten, sicheren Zugang zu Öl zu garantieren.

„Al Kaida ist eine Schöpfung der USA“ aus einem Interview Chossudovskys mit der Süddeutschen Zeitung (3.2.2003)

Chossudovsky: Die Regierung Bush ist an verdeckten Operationen zur Unterstützung der Terroristen beteiligt, die ihr die Legitimation geben, einen Krieg gegen den Terrorismus zu beginnen.

SZ: Sie meinen, dass sich die Regierung Bush die Gründe für den Krieg selbst geschaffen hat?

Chossudovsky: Alle Informationen, die ich gesammelt habe, belegen, dass der Unterstützer des Kriegs und der terroristischen Organisationen die US-Regierung ist. Und das macht die Regierung Bush verbrecherisch.

SZ: Können Sie das beweisen?

Chossudovsky: Die höchsten Kreise der Regierung Bush pflegten Kontakte zum früheren Chef des pakistanischen Geheimdienstes, Mahmud Ahmed, der laut FBI hinter den Anschlägen des 11. September steht. Und auch die CIA hat Kontakte zum pakistanischen Geheimdienst. Ich habe das alles ausführlich in meinem Buch („War and Globalisation“, d. Red.) dokumentiert. Ein Beispiel: Der frühere Gouverneur von New Jersey, Thomas Kean, den Präsident Bush zum Vorsitzenden der „9/11 Commission“ ernannt hat, unterhält Geschäftsverbindungen mit dem Schwager von Osama bin Laden, Khalid bin Mahfouz. Und der steht im Verdacht, dem Al-Kaida-Netzwerk Millionen von Dollar beschafft zu haben. Kean ist Direktor der „Amerada Hess Corporation“, die ein Joint Venture mit der saudi-arabischen „Delta Oil“ hat, die zum Teil von bin Mahfouz kontrolliert wird. Das heißt, dass derjenige, der Al Kaida überwachen soll, ein Geschäftspartner des Schwagers von bin Laden ist. Die Regierung Bush ist an kriminellen Handlungen beteiligt.