Höchste Profite, prallste Dividenden, fetteste Vorstandsbezüge aller Zeiten: fast 20 Prozent Profitzuwachs bei Dax-30-Konzernen

Mit der Vorlage ihres Geschäftsberichts Ende März, setzte die Metro AG einen mächtigen Schlussakkord zum diesjährigen Bilanzreigen der Dax-Konzerne. Der Gewinn nach Steuern bei einem der größten Handelskonzerne der Welt stieg um 83 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zweistellige Gewinnzuwächse waren die Norm bei den Bilanzshows der Superlative. Wie das isw jetzt berechnete, addieren sich die Gewinne der Dax-30-Konzerne auf 62,2 Milliarden Euro – ein Zuwachs gegenüber dem Vorjahr von 19,7 Prozent (siehe Grafik). Soviel Profit war noch nie. Es ist das vierte Jahr in Folge, in dem die Blue Chips der deutschen Wirtschaft zweistellige Profitzuwächse verzeichnen konnten. Mehr als die Hälfte der Dax-Konzerne erzielte jeweils den höchsten Gewinn ihrer Firmengeschichte. Allen voran der Allianz-Versicherungsriese mit sieben Milliarden Euro Nettogewinn, ein Plus von 60 %. Dennoch oder gerade deswegen hält Allianz-Boss Diekmann an seinem Programm zur Vernichtung von weiteren 7.500 Arbeitsplätzen fest. Sein einziges Problem besteht in einem gewissen Erklärungsnotstand: „Der Zusammenhang zwischen Gewinn und Arbeitsplatzabbau ist nun noch stärker erklärungsbedürftig. Das wird noch viel Arbeit von uns erfordern“, meinte er.

Rendite rauf, Löhne runter, Leute raus!

Auch die Deutsche Bank realisierte ihre Gewinnsprünge der vergangenen Jahre dadurch, dass sie in den letzten fünf Jahren fast 30.000 Stellen strich. Die Eigenkapitalrendite beträgt jetzt sagenhafte 31% vor Steuern. DaimlerChrysler erhöhte den Gewinn um 14 % und vernichtete für diesen „Erfolg“ im vergangenen Geschäftsjahr weltweit 22.300 Arbeitsplätze, davon 14.500 in Deutschland. Auch VW strich Arbeitsplätze im Zehntausenderpack, 2006 fast 20.000, was den Gewinn um 145 % hochkatapultierte. Siemens realisierte seinen Gewinnzuwachs von 43 % vor allem dadurch, dass es ganze Unternehmensbereiche abspaltete. Arbeitsplätze bei den Großkonzernen werden bestenfalls noch im Ausland und – rein konzern-statistisch durch Zukäufe aufgebaut. Beispiel Bayer: Durch die Übernahme von Schering, weist der Bayer-Konzern nun zwar mehr Beschäftigte aus, davon sollen jedoch bis 2008 6.100 Stellen liquidiert werden. „Synergieeffekte“ nennt sich das.

Dass durch diesen massiven Stellenabbau in Verbindung mit Lohndrückerei und prekärer Beschäftigung die Kaufkraft im Inland ausgelaugt und die Binnenkonjunktur auf Dauer nicht an Kraft gewinnen wird, ist für die Transnationalen Konzerne kein Problem. Sie profitieren in erster Linie vom Exportboom, holen sich ihre Umsätze zunehmend im Auslandsgeschäft. Der Auslandsumsatz (Export + Umsatz der Auslandstöchter) der Dax-30-Konzerne lag im Jahr 2006 im Durchschnitt bei gut 70 %. Der Inlandsmarkt wird dadurch zu einer weitgehend vernachlässigbaren Größe, vor allem in Relation zu den direkt erzielbaren Gewinnen infolge Kostensenkungen. Denn trotz rigorosem Arbeitsplatzabbau gerade bei den Inlandsbelegschaften, ist bei den Dax-30-Konzernen noch knapp die Hälfte der Beschäftigten (47 %) in Deutschland tätig. Die Inlandsbelegschaft ist nach wie vor der größte Kostenblock, den es im Interesse weiterer Profitmaximierung zu reduzieren gilt. Das erklärt auch den anhaltenden Widerstand der Konzernfürsten gegen Lohnforderungen der Gewerkschaften.

Goldregen für Aktionäre

Das Champagner-Geknalle ob der Rekordprofite ist begleitet von einem bisher einmaligen Dividendenfeuerwerk. Allein die Dax-30-Konzerne werden im Frühjahr für das abgelaufene Geschäftsjahr 27,3 Milliarden Euro an die Aktionäre ausschütten, eine Steigerung von fast 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Man stelle sich das Gezeter eben dieser Shareholder und der Finanzinvestoren vor, würden die Gewerkschaften nur eine zweistellige Lohnforderung erheben. Allein die 30 im Dax notierten Konzerne schütten damit für das Geschäftsjahr 2006 weit mehr an ihre Aktionäre aus, als alle 500.000 Kapitalgesellschaften (AGs und GmbHs) zusammen im gleichen Jahr an das Gemeinwesen an Körperschaftsteuer zahlten: das waren nur 22,9 Milliarden Euro. SPD-Finanzminister Steinbrück hält das anscheinend immer noch hoch und die Profite der Konzerne für zu niedrig, denn mit seiner Unternehmensteuerreform will er den Kapitalgesellschaften ab 2008 pro Jahr um zehn Milliarden Euro und mehr an Gewinnsteuern „entlasten“ (ausführlich zur Unternehmensteuerreform siehe isw-wirtschaftsinfo 39, Bilanz 2006 – Ausblick 2007). „Steuerreform als Gewinntreiber“ titelte das Handelsblatt (10.1.07). Analysten kommen zu dem Ergebnis, dass die Steuerreform die Gewinne der Dax-Konzerne um drei bis sechs Prozent zusätzlich in die Höhe treiben wird. Für 2007, dem letzten Jahr vor der Steuersenkung, rechnen internationale Investmenthäuser und Finanzdatenspezialisten, wie z.B. JCF, mit einem Profitzuwachs von „nur“ elf Prozent.

Fette Happen für „fette Katzen“

Jetzt in der Tarifrunde predigen sie als Maßhalteapostel wieder Wasser. Sie selbst legen eine maßlose Gier und Selbstbereicherung an den Tag. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Bezüge der Vorstände um 15 bis zwanzig Prozent gestiegen, wie der Unternehmensberater Heinz Evers, ehemaliger Geschäftsführer der Personalberatung Kienbaum, für das Handelsblatt berechnete. Spitzenverdiener unter den Top-Managern ist wiederum Deutschbank-Chef Ackermann mit 13,2 Millionen Euro im Jahr zuzüglich einem 380.000 Euro-Beitrag zur Altersvorsorge. Kleineres wie Aktienoptionen, Dienstwagen und Spesen kommen noch dazu. Der Bank-Boss verdient an jedem Tag 37.200 Euro, 5000 mehr als das durchschnittliche Jahresgehalt eines Bankangestellten ausmacht (32.500 Euro). Seine Jahresbezüge sind ziemlich exakt 500mal so hoch wie die eines Durchschnittsverdieners (26.700 Euro pro Jahr). Nach der Untersuchung von Evers haben die Vorstandsbosse der 30 DaxKonzerne ihre Vergütungen in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht, auf durchschnittlich fünf Millionen Euro pro Jahr. Die „Fat Cats“, wie die Vorstände in den angelsächsischen Ländern auch genannt werden, begründen ihre Selbstbereicherung damit, dass sie im Vergleich zu ihren US-amerikanischen Kollegen arme Schlucker seien, einen erheblichen Nachholbedarf hätten. Porsche Betriebsrat Hück kommentierte das so: „Die Globalisierung hat eins gebracht: dass die Arbeitgeber sich nach den Gehältern der Amerikaner richten und die Arbeitnehmer sich nach denen der Chinesen“. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts, betrug der durchschnittliche Monatsverdienst je Arbeitnehmer im Jahr 2006 2226 Euro, 10,5 % mehr als zehn Jahre davor; netto waren das 1453 Euro (2006) im Vergleich zu 1351 Euro (1996): + 11,4 %. Zieht man davon die Verteuerung der Lebenshaltung in diesen zehn Jahren (gut 15 %) ab, dann ergibt sich ein Reallohn-, also Kaufkraftverlust von fast vier Prozent. Es ist an der Zeit, dass Arbeiter und Angestellte ihren Nachholbedarf zur Geltung bringen. (zur Gewinnentwicklung 2006 siehe auch iswwirtschaftsino 39, Bilanz 2006 – Ausblick 2007, S. 18ff).