Jörg Huffschmid – die Linke verlor einen großen Wirtschaftsgelehrten

Jörg Huffschmid, emeritierter Professor für politische Ökonomie an der Universität Bremen, ist in der letzten Woche verstorben. Dies ist ein schwerer Verlust für alle, die Aufklärung über die Mechanismen einer bloß von Gewinninteressen geleiteten Wirtschaft und über Wege hin zu einer solidarischen Gesellschaft brauchen.

Zwei Bücher aus seiner Feder ragen aus der großen Reihe wichtiger wirtschaftswissenschaftlicher und -politischer Werke noch heraus: Die „Politik des Kapitals“, die 1969 in der Edition Suhrkamp erschien, das Buch wurde zu einer „Bibel“ der 68er Bewegung; und „Politische Ökonomie der Finanzmärkte“ aus dem Jahr 2002, wo der Niedergang des finanzmarktgetriebenen Kapitalismus analysiert und die Finanzkrise exakt vorhergesagt wurde.

Seine wissenschaftliche Arbeit verband Jörg stets mit konkretem politischen Einsatz. Die von ihm 1975 mitgegründete Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik und ihre jährlichen Memoranden wurden zu der wesentlichen Instanz gegen die kapitalismusfreundlichen Gruppen der „führenden Wirtschaftsinstitute“ und der „Wirtschaftsweisen“. In den 80er Jahren wurde er Mitglied des Parteivorstands der Deutschen Kommunisten Partei, wo wir bei den PV-Tagungen nebeneinander saßen, uns leidenschaftlich mit Argumenten überzogen, um hinterher kameradschaftlich zusammen zu sitzen. Er war damals Mitglied im Beirat des „Instituts für marxistische Studien und Forschungen“, wie er später und bis zuletzt Mitglied im Beirat des isw war. Sein politisches Engagement führte ihn auch in den Wissenschaftlichen Beirat von Attac. Sein Tod reißt eine Lücke in die linke Bewegung, die nicht zu schließen sein wird. Die wissenschaftlich fundierten Plädoyers für eine demokratische Wirtschaft der Solidarität und Kooperation gegen eine kapitalistische Profitökonomie werden fehlen.