Geldvermögen in Deutschland auf Rekordhöhe

Die deutschen Geldvermögensbesitzer spürten offenbar nichts von einer Finanzkrise. Im Gegenteil. Wie die Allianz Global Investors dieser Tage mitteilte, ist das private Geldvermögen im abgelaufenen Jahr 2009 auf die Rekordsumme von 4,64 Billionen Euro (4.640.000.000.000 Euro) angewachsen. Allein im Krisenjahr 2009 konnten die Geldvermögenden 200 Milliarden Euro (entspricht zwei Drittel des Bundeshaushalts) zus/auml;tzlich scheffeln und den leichten Rückgang von 2008 mehr als ausgleichen. Der Rückgang von damals in Höhe von 110 Milliarden Euro beruhte auf Bewertungsverlusten an den Aktienmärkten, die durch die „die fulminante Umkehr an den Börsen“ (Allianz) aufgehoben wurden. Gut 60% des Geldvermögenszuwachses von 2009 aber „flossen als neue Anlagemittel“ zu. Unfreiwillig müssen selbst die Allianz-Analysten den ökonomischen Irrwitz der herrschenden Ökonomie eingestehen, wenn sie schreiben: „Während die Realwirtschaft 2009 mit den Auswirkungen einer Rezession zu kämpfen hatte, konnten die Börsen mit teilweise hohen Wachstumsraten zulegen“.

Die Finanzkrise führte somit nicht zu dem notwendigen und krisenmindernden Abschmelzen des gigantischen Geldüberhanges. Das wäre nur der Fall gewesen, wenn Banken oder andere Geldinstitute echte Verluste hätten hinnehmen müssen oder gar pleite gegangen wären, was aber durch die staatlichen Bankenrettungsschirme zu Lasten der Steuerzahler verhindert wurde. Oder wenn die Geldvermögen durch eine wirksame Vermögens-, Reichtums- oder Millionärsteuer zum Teil weggesteuert und die zusätzlichen staatlichen Einnahmen in Nachfrage nach realen Gütern und öffentlichen Dienstleistungen umgeleitet worden wäre. Dies aber lehnte die Große Koalition und die jetzige Regierung Schwarz-Geld kategorisch ab.

So aber werden die steigenden Geldfluten zu noch größerem Renditedruck in der Wirtschaft führen und die Raserei an den Finanzmärkten beschleunigen. Denn die Milliarden an Geldvermögen sind hoch konzentriert und in den Händen von wenigen Superreichen, wie das Institut für sozial-ökologische Wirtschaftsforschung (isw) in mehreren Analysen aufgezeigt hat. Dieser Geldadel verfügt über die nötigen Finanzinstrumente und -hebel, wie Hedge-Fonds, Private Equity Fonds, Immobilienfonds (REITS), Aktien-Leerverkäufe, … um die entsprechenden Spekulationsräder zu drehen und die Verwertung seines Geldkapitals zu optimieren. Investmentbanking, Asset Management, steigende Bankprofite und Rekord-Boni für Investmentbanker feiern bereits wieder fröhliche Urständ. Im Kasino wird wie eh und je gezockt. Die nächste Finanzkrise dürfte nicht lange auf sich warten lassen.

(Das isw wird im nächsten isw-report, der Ende März erscheint, eine Analyse der Entwicklung im Bank- und Finanzbereich vorlegen).