Deutsche Bank: Banker und Bankster

Die Angestellten der Deutschen Bank haben es gut. Im Krisenjahr 2009 erhöhten sich ihre Gehälter um 23,5 Prozent. Durchschnittlich verdiente jeder der 77.053 Beschäftigten – 2000 weniger als im Vorjahr – 147.000 Euro, davor waren es „nur“ 119.000 Euro. Wohlgemerkt, im Schnitt! Denn bei der Deutschen Bank gibt es zwei Spezies von Angestellten: Die „normalen“ Bankkaufleute, z.B. die Kundenberater am Schalter, mit einem Jahreseinkommen, das 40.000 Euro kaum übersteigt und sich 2009 vielleicht um etwa 2,5% erhöht hat. Und dann sind da noch die Bankster, die neben einem Festgehalt auch noch mit Bonuszahlungen entlohnt werden. Dazu gehören zum einen die Top-Manager bis hinauf zur Vorstandsebene, die im Jahr Hunderttausende bis zu Millionen verdienen. Deutschbank-Chef Josef Ackermann hat seine Bescheidenheit vom Banken-Krachjahr 2008, als er sich mit schlappen 1,3 Millionen Euro Vorstandsbezügen zufrieden gab, schnell wieder abgelegt und kassierte im Geschäftsjahr 2009 vermutlich, wie in alten Zeiten, wieder zehn Millionen Euro und mehr. Er werde nach diesem, für die Deutsche Bank so guten Jahr auf seinen persönlichen Bonus nicht verzichten und sich „nach Leistung“ bezahlen lassen, erklärte er auf der Bilanzpressekonferenz. Zahlenmäßig die größere Kategorie der Bankster sind die Investmentbanker.

Das Investmentbanking, entscheidend verantwortlich für die globale Finanzkrise, läuft heute weltweit und bei der Deutschen Bank wieder auf Hochtouren. Es brachte im abgelaufenen Geschäftsjahr zwei Drittel (67%) des Gewinns von 5,2 Milliarden Euro vor Steuern ein. Zu diesen Investment-Bankgeschäften gehören z.B. die Börseneinführung von AGs, die Beratung beim Kauf und Übernahme von Firmen (M&A), die Emission und der Handel mit Aktien und Wertpapieren und insbesondere das große Feld der spekulativen Finanzgeschäfte: Spekulation auf den verschiedenen Märkten, wie Devisenmarkt, Aktien-, Rohstoff- , Öl- und Nahrungsmittelbörsen. Und mit den verschieden Finanzprodukten, vor allem mit Finanz-Derivaten. Das Große Geld brachte im vergangenen Jahr die Emission und der Handel mit Staatsanleihen, infolge des hohen Kreditbedarfs der Staaten. Die Regierungen wiederum verschuldeten sich so hoch, weil sie zig und Hunderte Milliarden zur Rettung der Banken bereitstellten. Der Staat rettete also die Banken vor dem Kollaps und das Geld dafür musste er sich von den Banken besorgen, die über Zinsen und Provisionen kräftig daran profitieren. Die betreuende Investmentbank verdient dabei sogar dreifach: einmal bei der Emission der Anleihen, wenn sie diese auf den Markt bringt; ein weiteres Mal bei deren Verkauf und schließlich durch Zinsen und ggf. Kursgewinnen, wenn sie einen Teil der Staatsanleihen selbst im Portefeuille behält.

Die Investmentbanker wiederum, die all diese Geschäfte managen und dealen, kassieren – je nach Stellung in der Hierarchie und der Erfolgsquote ihrer Geschääfte – dicke Bonuszahlungen, die bei den Top-Leuten mehrere bis zig Millionen Euro ausmachen. Diese Bonuszahlungen werden zwar unter Personalkosten bilanziert, sind aber ihrem Charakter nach Gewinnbestandteile und verdeckte Gewinnausschüttungen, die ganz legal am Finanzamt vorbei gemogelt werden. Lediglich der so gewinnbeteiligte Investmentbanker muss Einkommensteuer zahlen – falls er sich noch kein Bankkonto in der Schweiz zulegt hat. (Bei Dividenden werden die Gewinne erst über die AG (Körperschaftsteuer) versteuert und der Aktionär muss dann eine 25%ige Abgeltungsteuer bezahlen). Von den 11,3 Milliarden „Personalaufwand“ der Deutschen Bank im vergangenen Jahr, dürfte etwa die Hälfte auf Boni entfallen; d.h. der eigentliche Gewinn ist viel höher als der ausgewiesene Vorsteuer-Gewinn, gewissermaßen ein Vor-Boni-Gewinn. Treppenwitz der Geschichte: Auch noch auf andere Weise trug der Staat zum hohen Gewinn der Deutschen Bank bei. Die Bilanz verzeichnet 550 Millionen Euro „steuerlichen Sonderertrag“ – überwiesen vom Fiskus in Deutschland und den USA. U.a. deshalb ist der Gewinn nach Steuern lediglich um 200 Millionen Euro niedriger als der Vorsteuergewinn: 5,0 Mrd. zu 5,2 Mrd. Die Deutsche Bank zahlte also ganze 200 Millionen Euro an Gewinnsteuern – 3,8 Prozent.

Für Deutschbankier Ackermann war 2009 nur ein „Übergangsjahr“: aus der Krise kommend, sei man nun 2010 wieder in „normalen Zeiten angelangt“. Für die Profitziele 2010 bedeutet das eine Verdoppelung gegenüber 2009: 10,0 Milliarden Euro vor Steuern (Investmentbanking 6,4 Mrd.). Falls sich die Bilanzstruktur von Deutschlands größtem Geldhauses nicht gravierend ändert, hätte Ackermann dann auch sein Eigenkapital-Renditeziel von 25 Prozent vor Steuern übertroffen, denn in diesem Jahr betrug die Eigenkapitalrendite bereits 15 Prozent. Solche Gewinn- und Renditevorgaben werden ohne weiteren einschneidenden Personalabbau nicht zu schaffen sein. „Deutsche Bank – Leistung, die Leiden schafft“.