Libyen: Der geheime Krieg der CIA

Am 28.3.2011 erklärte US-Präsident Obama, „es wäre ein Fehler, unsere Militärmission (in Libyen) so weit auszudehnen, dass sie einen Regimewechsel einschlösse“. Nicht nur die Außenministerin verkündete am selben Tag das gerade Gegenteil („Wir arbeiten mit der internationalen Gemeinschaft daran, dass Gadhafi gehen muss“). Obama selbst hatte schon Wochen zuvor in einem Geheimbefehl den Geheimdienst CIA angewiesen, für die Versorgung der Anti-Gadhafi-Rebellen mit Waffen und anderer Unterstützung sorgen. (New York Times, 30.3.2011) Seit dem Ausbruch der Kämpfe sind die CIA-Gruppen auch für die Präzisierung der Ziele für die Luftwaffe der Interventionsmächte zuständig. Auch sind nach dem Bericht der New York Times „Dutzende von Angehörigen britischer Spezialkräfte“ in Libyen unterwegs. Wie das perfekte Herausschmuggeln des amtierenden libyschen Außenministers nach Tunesien und anschließend nach England demonstrierte, werden es nicht wenige Dutzende britischer Agenten und Spezialkräfte sein.

Das Engagement der CIA ist langfristig geplant gewesen. Die linke Internetzeitung „Alternet“ berichtet (31.3.2011), dass der neue kommandierende General der „Rebellen-Armee“, Khalifa Hifter, ebenfalls eine Errungenschaft der CIA ist. Nach einem Kongress-Bericht lebte Hifter „in den letzten beiden Jahrzehnten in einer Vorstadt in Virginia, fühlte sich aber, obwohl hoch in den Sechzigern, verpflichtet, auf das Schlachtfeld in seinem Heimatland zurückzukehren“. Langley, wo das Hauptquartier der CIA liegt, ist eine solche Vorstadt in Virginia. Der Kongressbericht gibt die Aussage eines engen Vertrauten Hifters wieder, dass er nicht wisse, wovon Hifter in diesen Jahren gelebt habe. Nach den Informationen dieses Kongress-Dokuments (McClatchy Report) kann kein Zweifel bestehen, dass der oberste Rebellen-General in Libyen ein Gewächs der CIA ist und für seinen heutigen Einsatz jahrzehntelang von der CIA trainiert und finanziert wurde.

Die CIA und der britische Geheimdienst haben eine lange Tradition erfolgreicher Arbeit in Libyen. Vor acht Jahren kontrollierten und dirigierten sie das Abwracken des libyschen Atomwaffenprogramms. Aus dieser Zeit stammen enge Kontakte zu libyschen Informanten und zu politischen und militärischen Führern. Offenbar haben sie diese Kontakte im Laufe der Jahre gehegt und gepflegt.

Wie es scheint, wiederholen die USA den strategischen Fehlen ihrer Schläge gegen Afghanistan und Irak: Es ist ihnen gleich, wen sie als Verbündeten für ihre Pläne ins Feld führen, und sie können keineswegs sicher sein, ob sie auch nur militärisch die Oberhand erlangen. Vielleicht steht das Engagement von Bodentruppen des „Westens“ und ein längerer Krieg noch bevor.

(siehe auch Claus Schreer: Libyen – NATO-Krieg für Demokratie und Menschenrechte?)