Die Faktoren der Großen Krise

Wir sprechen von einer anhaltenden Großen Krise. Tatsächlich ist die Große Krise längst nicht vorüber. Was gehört dazu? Was sind die Krisenfaktoren?

  1. Auf der einen Seite ungeheurer Reichtum, ungeheures Vermögen, auf der anderen Seite wachsende Armut. Dies ist nicht nur ein menschliches Verbrechen, sondern auch eine ökonomische Unsinnigkeit. Es fehlt an Massennachfrage. Die Lohnquote ist in unserem Land seit 2000 um 5 Prozentpunkte gesunken, die Hälfte der Bevölkerung hat keinerlei Vermögen, doch haben die Reichen ihr Vermögen in den letzten 10 Jahren um 35 % erhöht. Die große Mehrheit des globalen Reichtums – 87 % – befindet sich im Besitz von Haushalten mit mehr als 100.000 $.
  2. Der fiktive Reichtum, die Summe der Finanz- und Reichtumstitel wird gegenüber der Realwirtschaft immer größer. In Deutschland beträgt das Geldvermögen fast das Doppelte der jährlichen Wirtschaftsleistung. Fast 43 Billionen $ vereinigen die Dollar-Millionäre global auf sich. Da sie in den letzten Jahren eine Verzinsung von rund 10 % erzielten, bleiben fast 5 Billionen $ jährlich für sie übrig – was aus der Substanz des Weltkapitals Jahr für Jahr an die Millionäre gezahlt werden muss.
  3. Wir erleben einerseits ein Mini-Wachstum der Wirtschaft, wenn überhaupt eines, aber dafür höchste Profitansprüche. Der RoC, der Return of Capital, liegt bei großen Konzernen oft bei 7 % und mehr, das reale Wachstum nicht einmal bei 2 %. Auch hier werden die Profite also weithin laufend aus der Substanz bezahlt.
  4. Die Nachfrage besteht heutzutage nicht mehr aus Einkommen oder Vermögen, sondern vor allem aus Schulden. Seit 1980 hat sich die Schuldenlastigkeit der privaten Haushalte sechsmal schneller vergrößert als das BIP, die Schuldenlastigkeit der Staaten um das Vierfache, und die der Unternehmen um das Dreifache. Die moderne kapitalistische Wirtschaft ist eine Schuldenwirtschaft.
  5. In der Weltwirtschaft gibt es auseinanderreißende Überschuss- und Defizitländer. Der deutsche Warenexport hat von 2000 bis 2011 um 78 % zugenommen. In derselben Zeit war das BIP nur 13 % gestiegen. Die deutschen Banken haben Nettoforderungen an das Ausland in Höhe von einer knappen Billion Euro, das sind 40% des BIP. Wenn Deutschland so fort fährt mit einer schwachen Lohnentwicklung und Schlusslicht ist beim Anstieg der Lohnstückkosten, dann sind die Defizitländer ohne Chance, ihre Wettbewerbsfähigkeit auf den europäischen und globalen Märkten zu verbessern.

Der Text ist der Einstieg zu Schuhlers Referat auf dem 20. isw-Forum. Die Beiträge des forums erscheinen in isw-report 89, der Anfang Juli 2012 erscheint..