Fortschritte bei der Klimazerstörung und bei der Plünderung der Ölreserven.

Der aktuelle Bericht der Internationalen Energieagentur

Die OECD ist ein Zusammenschluss der reichen Länder des politischen Westens (zuzüglich einiger ärmerer Länder wie Mexiko und Tschechien) mit dem Ziel der Koordinierung der Wirtschaftspolitik, Bildungspolitik, Technologiepolitik, Welthandelspolitik usw. Die IEA (Internationale Energieagentur) ist eine Unterorganisation der OECD, gegründet zur Zeit der ersten Ölkrise Anfang der 70er Jahre und zuständig für die Energiepolitik der OECD. Bei ihr dürfte sich weltweit wohl das meiste Know-how an konventionellem Wissen über Energiewirtschaft und -politik konzentrieren. Sie gibt jährlich im Herbst einen Weltenergieausblick heraus (World Energy Outlook WEO), der die Prognose der künftigen energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen zum Inhalt hat.

Die Klimaerwärmung überschreitet unaufhaltsam die 2-Grad-Begrenzung

Der WEO 2012, der sich auf den Zeitraum bis 2035 erstreckt, beginnt mit einem vernichtenden Urteil: ”Bei Berücksichtigung aller neuen Entwicklungen und Politikmaßnahmen sieht es noch immer nicht so aus, als gelänge es, das globale Energiesystem auf einen nachhaltigen Pfad zu lenken” (Zusammenfassung S. 1). Der weltweite Energieverbrauch steigt nach diesem Bericht im Prognosezeitraum um gut ein Drittel. Dabei fällt der Anteil der OECD-Länder von 2010 bis 2035 von 65 % auf 55 %. China trägt, vor Indien, am meisten zum Verbrauchsanstieg bei. Der Anteil der fossilen, also der CO2 emittierenden Energieträger (Kohle, Öl, Gas) fällt lediglich von 81 % auf 75 %, ihr Verbrauch nimmt also in Absolutwerten noch zu. Der Anteil der Atomenergie bleibt bei 12 %, so dass der Anteil der regenerativen, erneuerbaren Energien von 7 % auf 13 % steigen wird.

Dieser Anteilsanstieg der Regenerativen, zusammen genommen mit der Zunahme des Gesamtenergiever- brauchs, bedeutet zwar, dass der weltweite regenerative Energieverbrauch in 25 Jahren auf das Zweieinhalb- fache des Wertes von 2010 steigen wird (um 3,7 % pro Jahr). Das ist aber viel zu wenig, um den Anstieg der energiebedingten CO2-Emissionen (Das ist die wichtigste Ursache der Klimaänderungen. CO2-Emissionen aus anderen Quellen (Tropenwaldvernichtung u.a.) und Emissionen anderer Treibhausgase (Methan u.a.) behandelt der IEA-Bericht nicht.) zu stoppen. Diese Emissionen steigen von 31,2 Mrd. Tonnen 2011 kontinuierlich auf 37,0 Mrd. Tonnen 2035 an. Mit dieser anhaltenden Menge an klimaschädlichen Emissionen ist eine Klimaerwärmung verbunden, die sich laut IEA auf 3,6 Grad belaufen wird. Das ist weit höher als die 2 Grad Erwärmung, die die internationale Konferenz-Klimapolitik als keinesfalls zu überschreitende Grenze betont. Unabhängig von allen Beschwichtigungen und Versprechungen stürmt die reale Entwicklung also voll in Richtung Klimakatastrophe. Das 2-Grad-Begrenzungsziel ist Makulatur.
Dies gilt beim IEA-Szenario Neue Politik. Die IEA konstruierte dieses Szenario unter Zugrundelegung der neuen Klimaschutzversprechungen wichtiger Länder (v.a. China, Japan, USA, EU). Das sind Versprechun- gen auf deutlich mehr Anstrengungen als bisher tatsächlich geleistet wurden: Während im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts der weltweite Energieverbrauch pro Jahr nur um 0,5 % langsamer wuchs als das weltweite Bruttoinlandsprodukt BIP, nahm die IEA aufgrund dieser Versprechungen für den Prognose- zeitraum eine Verbrauchsverringerung, relativ zum BIP, um 1,8 % jährlich an. Das bedeutet eine durchaus erhebliche Intensivierung der Einsparung in den nächsten 25 Jahren (Der Energieverbrauch und die CO2-Emissionen wuchsen weltweit im letzten Jahrzehnt in absoluten Mengeneinheiten so stark wie niemals zuvor, und relativ, in % des schon erreichten Niveaus, stärker als jemals seit den 60er Jahren. Dies trotz des krisenbedingten Rückganges in 2009.). Und trotz dieser Annahmen wird ein ”nachhaltiger Pfad” des Klimaschutzes, wie die IEA formuliert, völlig verfehlt.

Die IEA konstruierte ein zweites Szenario: Effiziente Welt. Es unterstellt, dass alle wirtschaftlich machbaren Steigerungen der Wirksamkeit (der Produktivität) des Energieverbrauchs auch tatsächlich durchgeführt werden (Das ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit in Marktwirtschaften und daher umso mehr ein Beweis für deren Versagen beim Klimaproblem, wenn die Durchführung aller wirtschaftlichen, rentablen Maßnahmen das Extremszenario der IEA darstellt.). Laut IEA-Rechnung wird dann der CO2-Höchstwert kurz vor 2020 erreicht und dieser sinkt dann bis 2035 langsam auf 30,5 Mrd. Tonnen. Das kommt in etwa dem Wert für 2010 gleich und bedeutet einen viel zu langsamen Rückgang der Emissionen. Konsequenz: eine Klimaerwärmung um immer noch 3,0 Grad.

Das UNO-Umweltprogramm UNEP beschäftigt sich derzeit ebenfalls mit der Klimaentwicklung. Wenn nichts Entscheidendes zur Klimasanierung passiert, wenn also in etwa das IEA-Szenario Neue Politik abläuft, dann, so prognostiziert das UNEP, werden sich die gesamten Treibhausgasemissionen 2020 auf 58 Mrd. Tonnen CO2-Äquivalente Hier werden alle Treibhausgasemissionen erfasst und die Wirkung von Methan etc. in CO2-Wirksamkeit umgerechnet, in so genannte CO2-Äquivalente.) belaufen (UNEP-News, 21. 11. 2012). Nach UNEP dürfen zur Wahrung des 2-Grad-Zieles 2020 aber nicht mehr als 44 Mrd. Tonnen emittiert werden. Bereits heute liegen die Emissionen mit 50 Mrd. Tonnen aber weit über dieser Schranke, und nicht einmal eine Stagnation ist absehbar. Das UNEP betont, dass sogar dann, wenn die derzeit weitreichendsten Versprechungen der Länder realisiert werden sollten, der Zielwert 2020 noch um 8 Mrd. Tonnen überschritten wird. Und diese Lücke weitet sich von Jahr zu Jahr aus, während die Zeit zum Handeln immer knapper wird. Auch wenn das UNEP darauf hinweist, dass wirtschaftlich-technisch immer noch genügend Möglichkeiten existieren, um den Zielwert von 44 Mrd. Tonnen in 2020 sogar noch deutlich zu unterschreiten: das 2-Grad-Ziel ist faktisch passé. Dementsprechend fragt das UNEP bereits nach den Veränderungen in einer um 4 Grad wärmeren Welt (UNEP-News, 19. 11. 2012). 4 Grad (Heute können wir eine Erwärmung um 0,8 Grad feststellen, aber bewirkt haben wir schon viel mehr: Die Klimaänderung ist ein träger, jahrzehntelanger Prozess, der auch dann noch nachwirkt, wenn gar kein CO2 mehr emittiert werden sollte. Zudem steigen die Auswirkungen überlinear mit der Veränderung: 4 Grad haben viel mehr als fünfmal so große und qualitativ viel gravierendere Auswirkungen als 0,8 Grad.) bedeuten eine ähnliche immense Änderung wie sie seit der letzten Eiszeit eingetreten ist, als Nordeuropa und Nordamerika großenteils so aussahen wie heute Grönland und die Temperaturen um 4 bis 7 Grad niedriger lagen. Die Welt unserer Kinder wird dann vollständig anders sein als die Welt, in der wir uns bewegen, so das UNEP. Und: die Verwüstungen werden alle Regionen treffen, aber sehr ungleichmäßig: Die Menschen in den armen Ländern in den Tropen und Subtropen werden sehr viel schlimmer betroffen sein als die Menschen in den gemäßigten Gebieten. Gerade in den heißen Gegenden werden sich Temperaturerhöhungen um bis zu 10 Grad einstellen.
Die IEA geht ebenfalls auf die 2-Grad-Begrenzung ein. Nach ihrer Rechnung sind beim Standardszenario Neue Politik bereits im Jahr 2017, also in fünf Jahren, so viele CO2-Emissionen in die Luft abgeblasen, dass das 2-Grad-Ziel nicht mehr erreichbar ist. Die Würfel sind dann gefallen. Beim Szenario Effiziente Welt wird dieser Punkt fünf Jahre später erreicht, im Jahr 2022. Die IEA freut sich über ”fünf Extrajahre, um ein globales Klimaabkommen zu erreichen” (Factsheet zu WEO 2012).

Einen Trost hat die IEA noch für die um das Klima Besorgten. Es ist das CCS: Carbon Capture and Storage = CO2 zurück halten und wegspeichern. Mit dieser rabiaten Technik, die mittlerweile nicht nur bei eingefleischten Umweltschützern auf Widerstand stößt, soll das CO2 aus Kraftwerken aus den Abgasen ausgefiltert, durch hohen Druck verflüssigt und dann in ausgeförderten Erdgaslagern und in der Tiefsee weggespeichert werden (dazu siehe isw-report 73, S. 30). Verschiedentlich wird sogar vertreten, es eile überhaupt nicht mit dem CO2-Emissionsrückgang zum Klimaschutz, weil man später im 21. Jahrhundert das CO2 immer noch aus der Luft rausfiltern und damit das Klima abkühlen könnte, wenn es wirklich zu warm geworden ist. Es ist dies alles der offene und totale Bankrott einer kapitalistischen Klimaschutzpolitik. Mit den Methoden, die dieses Wirtschaftssystem bereit hält, verlieren die Menschen immer mehr. In Kürze beginnt die 18. Klimafolgenkonferenz in Doha/Katar, und es gehört nicht viel Prognoseweisheit zur Mutmaßung, dass dann das Klima zum 18. mal wieder nicht gerettet wird. Weitere Analyse und alternative, antikapitalistische Ansätze siehe: isw-report 73: Klima-Killer Konzerne. Wie Konzerne und Marktwirtschaft das Klima kaputt machen (April 2008); isw-report 91: Grüne Wende. Neue Farbe oder neues System? (Dezember 2012).

Die Illusion reicher Ölvorkommen

Die IEA hat aber auch eine sehr gute Nachricht: In den USA gibt es neuerdings Öl und Gas in Hülle und Fülle. ”Die Weltkarte der Energiewirtschaft verändert sich infolge der wiedererstarkten Öl- und Gas- förderung in den Vereinigten Staaten” (Zusammenfassung S. 1). Ist Peak-Oil also vorbei? Das ist die Warnung, auch seitens der IEA, dass die jährliche Ölförderung ein Maximum erreicht (hat), dass sich die Lagerstätten nicht mehr noch schneller auspumpen lassen, und dass nicht genügend neue Öllager als Ersatz für die ausgepumpten gefunden werden. Wir müssen hier unterscheiden zwischen konventionellen Lagern von Öl (und Gas), das sind die seit Beginn der Ölwirtschaft üblichen leicht zugänglichen und ausbeutbaren Lager, die nach dem Anbohren sofort zu sprudeln beginnen. Und den so genannten unkonventionellen Lagern, aus denen Öl und Gas nur mit extrem hohem und riskantem Aufwand gefördert werden kann: etwa Ölsände in Kanada und Venezuela (ein völlig verklumptes Gemisch von Erde, Sand und Öl, das mit einem irren Aufwand an Wasser, Energie und Chemikalien gereinigt werden muss), Tiefseeöl in der Arktis und vor Brasilien (die Katastrophe im Golf von Mexiko zeigt die Risiken), und neuerdings eben Öl und Gas im Schiefergestein in den USA: Während bei konventionellen Feldern wenige Bohrtürme reichen, muss hier auf riesigen Flächen (zehntausende km²) ein Raster an Bohrtürmen gebaut werden (jeweils wenige km voneinander entfernt), von denen aus ein Gemisch von Wasser, Sand und einer Vielzahl verschiedenster giftiger Chemikalien mit extremem Hochdruck in die Tiefe verpresst werden. Dadurch soll das Gestein zerstört und aufgebrochen, das in kleinen Bläschen vorhandene Öl und Gas mit den Chemikalien gleitfähig gemacht und in den entstandenen Rissen im Gestein nach oben gepresst werden. Fracking nennt man diese Fördermethode, und es handelt sich dabei um eine ausgesprochen riskante und mit Nebenwirkungen behaftete Technik (Wegen des weit verbreiteten Widerstands gegen diese rabiaten Methoden versprechen einige Ölmanager heute den baldigen Übergang auf ”Clean Fracking” und ”ökologisches Fracking” ohne giftige Chemikalien (SZ, 22. 11. 2012).). Bei den konventionellen Lagern ist der Peak-Oil-Zeitpunkt schon vorbei. Er war vor etwa fünf Jahren. Seither sinkt die Ölfördermenge aus gut zugänglichen Quellen. Dass die extrem teuren unkonventionellen Lager jetzt so groß ins Spiel kommen, ist gerade der Beweis dafür, dass die knapp 200 Jahre des billigen Öls jetzt rapide zu Ende gehen. Ebenso die Zeit des Nordseeöls, das in den 70er/80er Jahren die Opec-Dominanz brechen sollte. Ebenso die Zeit des billigen Erdgases.

Nach der IEA-Prognose sollen die USA durch die jetzt beginnende Ausbeutung von Schieferöl und Schiefergas bis 2020 zum weltgrößten Ölproduzenten aufsteigen, und ab 2030 soll Nordamerika (USA plus Kanada) sogar zum Nettoexporteur von Energieträgern werden (auch deshalb, weil die USA laut IEA die Erzeugung von Agrartreibstoffen hochfahren). Eine Detailbetrachtung der IEA-Ergebnisse gibt aber Anlass, diese Euphorie sehr zu hinterfragen. Es handelt sich nämlich nur um ein eher kurzfristiges Ereignis. Während nämlich die Ölförderung in Arabien, in Kuwait, im Iran, auch in der Nordsee viele Jahrzehnte lang einen stetigen gleichmäßigen Fluss aufwies und erst jetzt langsam abflacht, ist der jetzt anlaufende Öl- und Gasboom in den USA eine Sache von ganz wenigen Jahrzehnten: Die Förderung von unkonventionellem Öl geht schon Ende der 2020er Jahre zurück und die von unkonventionellem Gas Anfang der 2030er Jahre. Bald, nachdem Nordamerika Nettoexporteur geworden ist, wird es wieder zum Importeur. Der Förderboom fördert vor allem die völlig illusionäre Frohbotschaft eines dauerhaft reichlichen Stoffes. Bald aber wird der Öljunkie USA wieder knapp an Stoff sein und damit wieder auf die übliche Beschaffungskriminalität angewiesen sein: Krieg und Terror in die verbleibenden Ölländer zu tragen.

Schon nach 2020 hängt die Ölversorgung nach der IEA-Analyse wieder zunehmend von der Opec ab. Und vom Tiefseeöl vor Brasilien. Also lediglich im laufenden 2010er Jahrzehnt ist eine relative Verdrängung der Opec durch das Schiefergas in den USA und die Ölsände in Kanada festzustellen. Von außergewöhnlicher Bedeutung ist der Irak, das einzige Nahostland, das deutlich unter den maximalen Fördermöglichkeiten produziert. Seine Förderung muss schnellstmöglich von 3 Millionen Barrel pro Tag (mb/d) – zum Vergleich: die Weltölförderung beträgt etwa 90 mb/d – auf 6,1 in 2020 und auf 8,3 mb/d in 2035 hochgepuscht werden. Jede Verzögerung muss unbedingt vermieden werden. ”Ohne diese Expansion der irakischen Ölförderung würden die Ölmärkte schwierigen Zeiten entgegen sehen” (Zusammenfassung, S. 6). Es darf künftig also kein Land mehr auch nur teilweise ausfallen, wenn die Ölversorgung nicht zusammen brechen soll. Die Reserven liegen bei Null.

Fazit: Es ist das Strohfeuer schlechthin, das hier mit dem US-Schieferöl entzündet wird. Die großen Öllagerstätten bluten aus und fallen trocken. Das wollen und können die Öljunkies dieser kapitalistischen Welt nicht zur Kenntnis nehmen. Also werden unter Inkaufnahme immer größerer Risiken und übler Nebenwirkungen Verzögerungslösungen gesucht: Scheinlösungen, die die Illusion noch ein bisschen weiter aufrecht halten sollen, dass Öl schlicht verfügbar ist, wenigstens für die Reichen. Arktisöl, Tiefseeöl, Fracking, der Wahnsinn der Ölsände, die Öl umweltmäßig vielleicht noch schlechter als Kohle stellen, bald wohl auch die Methanhydrate in der Tiefsee: der Energiejunkie kennt kein Tabu.

Weitere Ergebnisse im IEA-WEO

Im Ausbau der Agrarenergie (Agrartreibstoffe) sieht die IEA keinerlei Probleme für die Nahrungsmittelversorgung. Allein die Zunahme des Lkw-Verkehrs ist verantwortlich für 40 % des globalen Ölmehrverbrauchs. Während der Energieverbrauch insgesamt um 35 % bis 2035 steigt, steigt der Stromverbrauch doppelt so schnell, um 70 % auf 32.000 Mrd. kWh (heute in der BRD: 600 Mrd. kWh). Das bedeutet einen weiter stark steigenden Kohleverbrauch in der Stromerzeugung. Der Anteil des Stroms aus regenerativen Energien steigt von 20 % heute auf lediglich 31 % in 2035. Windenergie in den reichen Ländern und Wasserkraftwerke in der Dritten Welt spielen dabei die Hauptrolle.
Energiezugang in den armen Ländern: Heute haben 1,3 Mrd. Menschen keinen Zugang zur Stromversorgung und 2,6 Mrd. Menschen (ein Drittel der Menschheit!) haben keine saubere Kochgelegenheit, d.h. sie kochen mit gesammeltem Dung und Brennholz auf offenem Feuer bei giftigen Abgasen. Bis 2035 ändert sich daran kaum etwas: Weiterhin sind 1,0 bzw. 2,6 Mrd. Menschen davon betroffen. 1 Bio. Dollar wäre nötig für einen Zugang zu moderner Energie für alle, das sind laut IEA nur 3 % der prognostizierten Energieinvestitionen bis 2035, und es ist nicht mehr als 0,04 % des Welt-BIP bis 2035. Hätten auch diese armen Menschen Zugang zu moderner Energie, dann würden der Weltenergieverbrauch dadurch lediglich um 1 % steigen und die CO2-Emissionen um 0,6 %. Diese Zahlenverhältnisse beweisen einmal mehr, wie extrem ungleich die Verfügbarkeit von Energie und die Verursachung der Klimakatastrophe verteilt sind.

Wasserverbrauch: Die Nutzung von Wasser für die Energieversorgung belief sich 2010 auf 583 Mrd. m³, 15 % der gesamten Wassernutzung. Davon wurden 66 Mrd. m³ verbraucht, d.h. nicht zurück geleitet in Flüsse etc. Dieser Verbrauch soll bis 2035 um 85 % steigen, dies vor allem für den Kühlungsbedarf von Kraftwerken und für die Produktion von Agrartreibstoffen. Nun wird die Wasserknappheit in weiten Teilen der Erde (v.a. Indien, China, USA) eh schon stark zunehmen, verursacht durch die intensive Landwirtschaft und durch Klimaänderungen. Besonders stark steigen soll der energetische Wasserbedarf laut IEA in den USA und China (Stromerzeugung und Schiefergasausbeutung), in Indien (Stromerzeugung), in Kanada (Ölsandförderung) und im Irak (Erhöhung des Öldrucks zur Beschleunigung der Ölförderung). Wie wird sich die Konkurrenz zwischen den Millionen Kleinbauern und der zentral organisierten Energiewirtschaft um die immer spärlicheren Wasserreserven in Zeiten verheerender Klimaänderungen wohl gestalten und auswirken?

Quellen:

  • International Energy Agency: World Energy Outlook 2012. Deutsche Zusammenfassung / Factsheets / Presentation to the press
  • UNEP-News: New Report Examines Risks of 4 Degree Hotter World by End of Century, 19. 11. 2012
  • UNEP-News: Greenhouse Gas Emissions Gap Widening as Nations Head to Crucial Climate Talks in Doha, 21.11.2012