Goldene Eier für DAX-Aktionäre

Ostern ward für die Aktionäre zum Freudenfest. So viele goldene Eier wurden ihnen noch nie ins Portefeuille gelegt. Nachdem jetzt sich fast alle Konzerne festgelegt haben, ist klar: Es wird in diesem Jahr eine Rekord-Dividendenausschüttung geben. Knapp 30 Milliarden Euro werden nach den jeweiligen Hauptversammlungen den Dax-Aktionären zufließen. Der bisherige Rekord lag bei 28,1 Milliarden Euro im Vorkrisenjahr 2007. Für die Aktionäre einer ganzen Reihe von Dax-Firmen bedeutet das eine ansehnliche Dividendenrendite (Ausschüttung im Verhältnis zu aktuellem Kurs) von bis zu acht Prozent. Der Durchschnitt liegt bei 3,4 Prozent. Auch das kann sich sehen lassen, wenn man bedenkt, dass Staats- und Firmenanleihen mit ein Prozent und weniger rentieren. Hinzu kommen noch die erheblichen Kurssteigerungen vom vergangenen Jahr. Der deutsche Leitindex stieg um knapp 30 Prozent – die höchste Zunahme seit 2003. Wer also ein DaxIndexpapier erworben hatte, war am Ende des Jahres um 30 Prozent reicher.

„Die Gewinnmaschinen“

Die Dividendenausschüttungen basieren auf den Super-Profiten des Vorjahres. Die Chefs der großen deutschen Konzerne sind in Rekordlaune“, schreibt das Handelsblatt (18.3.13). „Ihre Einheiten haben sie in Gewinnmaschinen verwandelt. Europa diskutiert über die Schuldenkrise, Deutschland über Boni – und die Manager schreiben Gewinne wie noch nie“. Der großen Bilanzanalyse des Handelsblatts zufolge, verdienten die 30 Dax-Konzerne 65,6 Milliarden Euro, zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Wären nicht die Ausreißer Thyssen-Krupp und Deutsche Telekom gewesen, wäre der Rekordwert von 72 Milliarden Euro aus dem Jahr 2007 übertroffen worden. Beide mussten insgesamt zehn Milliarden Euro Abschreibungen bei ihren Amerika-Expansionen Brasilien und USA – vornehmen. Klammert man sie aus, „stiegen die Gewinne der Dax-Konzerne um 18 Prozent – mehr als in anderen Industrienationen“. Sieben Dax-Konzerne erzielten den höchsten Profit ihrer Firmengeschichte. Der Umsatz aller Dax-Konzerne zusammen stieg um neun Prozent auf den Rekordwert von 1.238 Milliarden Euro.

Über-flüssig

Soviel Liquidität war noch nie. Die Konzerne sind im wahrsten Sinne des Wortes überliquide über-flüssig. Das ‚Handelsblatt‘ (14.2.13) schreibt: „Dank sprudelnder Gewinne, harter Sparprogramme und günstigem Zugang zu Finanzierungen aller Art sitzen die Konzerne weltweit auf einem Berg von Bargeld. Allein in den USA halten die 500 im Index S&P-500 vereinten Firmen Schätzungen zufolge 1,5 Billionen Dollar an liquiden Mitteln“. Allen voran der iPhone-Hersteller Apple, in dessen Tresoren 137 Milliarden Dollar an Bargeld lagern. Damit könnte der Handy- und Computerhersteller die Deutsche Telekom und Siemens zusammen kaufen und bar bezahlen. In Deutschland haben die Autobauer die größten liquiden Mittel. Volkswagen 25,4 Milliarden Euro, Daimler 14,8 und BMW 12,8 Milliarden, zusammen über 50 Milliarden Euro. Sie hätten viel Geld, aber keine Ideen monieren die Wirtschaftsblätter. Sie sollten es in neue Produkte und Anlagen investieren. Aber wozu investieren, wenn die Märkte gesättigt sind, es infolge Reallohnstagnation an zusätzlicher Nachfrage mangelt. So bunkern die Konzerne lieber die Gelder, verwenden es für Sonderauschüttungen, für Aktienrückkäufe oder spekulieren damit auf den Finanzmärkten. Viele agieren ohnehin wie Banken mit angeschlossener Industrieabteilung; manche, wie Siemens, die Autokonzerne und andere besitzen für ihre Finanzgeschäfte Vollbanken-Lizenzen.

Krisengewinner deutsche Konzerne

Das ermöglicht es ihnen, an die EZB-Niedrigzinskredite (1 Prozent) heranzukommen. Am günstigsten konnte sich Siemens Geld beschaffen: Im Sommer 2012 waren es mehrere Anleihen für insgesamt 2,7 Milliarden Euro. Für seine Euro-Anleihe mit zwei Jahren Laufzeit muss der Elektro-Multi gerade mal 0,375 Prozent Zins zahlen, für die siebenjährige Anleihe sind es 1,5 Prozent. Mit dem Geld hat Siemens seit August 2012 für 2,9 Milliarden Euro Aktien vom Markt genommen. Für die 38 Millionen zurückgekaufter müssen keine Dividenden bezahlt werden, wodurch der Konzern allein in diesem Jahr 114 Millionen Euro an Dividende spart (HB, 6.12.12). Zudem treiben die Aktienrückkäufe in der Regel den Kurs nach oben, was von Vorteil für die Aktionäre ist. Die Aktienrückkäufe auf Pump rechnen sich.

Aber auch andere in Deutschland angesiedelte Transnationale Konzerne profitieren von den Niedrigzinsen infolge der Schuldenkrise und erlangen dadurch Wettbewerbsvorteile gegenüber Konkurrenten. Beispiel Automobilindustrie: „Fiat und BMW. Fiat hat seit Jahresbeginn (2012 – F.S) 16,3 Prozent Absatz verloren und schreibt tiefrote Zahlen im Autogeschäft. Für einen vierjährigen Bond zahlt Italiens größter Industriekonzern mittlerweile 7,75 Prozent Zinsen. Auf der anderen Seite der Alpen bekommt BMW das Geld praktisch hinterhergeworfen. Der Münchener Edelhersteller pumpt sich 2012 mehr als 20 Milliarden Euro und zahlte für seinen letzten Bond bescheidene 1,25 Prozent. Bei einer Inflationsrate von knapp zwei Prozent zahlen die Anleger also drauf, um BMW Geld leihen zu dürfen. So kann BMW Leasingraten von unter 200 Euro bieten und einen neuen Rekordgewinn einfahren.“ (HB, 20.11.12). VW kann die Leasingrate für einen Golf um achtzig Euro im Monat billiger anbieten, als Peugeot mit einem vergleichbaren Modell. Die RatingAgenturen verstärken den Trend rückläufiger Absatzzahlen zusätzlich. Auch deutsche Autohändler sind in Verbindung mit den Autobanken aufgrund der Niedrigzinsen bei der Kreditfinanzierung der Autos wesentlich günstiger als die Händler in Frankreich oder Italien. Peugeot-PSA braucht mittlerweile staatliche Garantien für seine Autobank, um sich überhaupt noch Geld leihen zu können.

Aller-höchster Profit aller Zeiten

Bereits im Jahr 2011 hat VW mit knapp 16 Milliarden Euro einen Gewinn erzielt, wie noch nie ein deutscher Konzern. Diesen Rekord-Profit überbot der Autokonzern im vergangenen Jahr nochmals um 41 %: 22 Milliarden Euro nach Steuern. Etwa die Hälfte entfällt auf Sondereffekte, die mit der Übernahme und Konsolidierung des Porsche-Konzerns zusammen hängen. Der Umsatz stieg auf 193 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Das BIP von Finnland betrug 2012 195 Milliarden Euro.

2013: Nochmals Gewinnsteigerung!?

Trotz Flaute und sogar Rezession scheint es möglich, dass 2013 die Top-30-Dax-Konzerne 2013 nochmals Rekordgewinne einfahren; denn sie haben vorgesorgt. Analysten der DZ-Bank kommen zu dem Ergebnis: „Die vielen Spar- und Restrukturierungsprogramme legen den Grundstein dafür, dass die Unternehmenszahlen ab dem kommenden Jahr wieder besser werden dürften“. Und das Handelsblatt (5.11.12) schlussfolgert: „Kommt es so, dürften die 30 Dax-Konzerne zwar nicht 2012, wohl aber im nächsten Jahr so viel verdienen wie noch nie – trotz der Krise in Euro-Land“.