VW – die Vorzeige-AG des Exportweltmeisters ein Rundum-Betrüger

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© 2011 Gerry Lauzon, Flickr | CC-BY | via Wylio

„300 Prozent Profit, und es existiert kein Verbrechen, dass das Kapital nicht riskiert, selbst auf die Gefahr des Galgens.“ Nein, das sagte nicht die vielbeschäftigte Justizministerin der USA, sondern Karl Marx. Der VW noch nicht kannte, aber die Logik und die Moral der Kapitalbetreiber. Denn es ist kein VW-Unikat, den hochgelobten Markt zu betrügen und alle seine Akteure zu schädigen, die Konkurrenten und die Verbraucher, den Staat und die Umwelt. Siemens hat einen Korruptionsskandal hinter sich, der das damalige Top-Management aus dem Sattel warf. Ebenso der Daimler-Konzern, der sich von den US-Behörden mit 185 Millionen Dollar von weiteren Strafen freikaufen musste. Ebenso Bayer, die wertvollste deutsche Firma, die in den USA eines massenhaft vertriebenen Mittels gegen Blutfett überführt wurde, das wegen tödlicher Nebenwirkungen vom Markt zu nehmen war und zu milliardenhohen Schadenseratzforderungen führte. Ebenso die Deutsche Bank, die wegen des Betrugs an Kunden und Konkurrenten in den USA und in England auffällig wurde, weshalb in der Bilanz mehrere Milliarden Euro Rücklagen gebildet werden mussten, um die zu erwartenden Strafen zu begleichen.

Das deutsche Großkapital ist ersichtlich extrem kriminell, aber VW sprengt die bisher gekannten Dimensionen. Statt „deutscher Ingenieurskunst“ und „Made in Germany“, statt Exportweltmeister strahlt nun der Titel „Täuschungs-Weltmeister“. VW hat weltweit in 11 Millionen Fahrzeugen eine Software eingebaut, deren eindeutiges Ziel es war, bei Messungen der Umweltbelastung für falsche, für „umweltfreundlichere“ Werte zu sorgen. In einer Zeit, da es im Grundgefühl der Menschen und in der Propaganda der Auto-Konzerne um eine „grüne mobile Zukunft“ geht, macht VW den gefährlichen Umwelt-Betrug zur Grundlage seines allgemeinen Geschäftes. Manchen wundert weniger die tiefe Unmoral der kapitalistischen Profit-Maximierer als vielmehr die bodenlose Dreistigkeit, oder soll man sagen Dämlichkeit, so einen globalen Massenbetrug ins Werk zu setzen in der offenbaren Annahme, er bleibe unentdeckt.

Doch vielleicht war das gar nicht so dämlich oder dreist, denn das VW-Management wusste von Anfang an, dass die Politik zwar Sprüche und Gesetze für die Öffentlichkeit machen muss, aber, wenn es sich um profitmindernde Regeln handelt, deren Umsetzung weniger ernst nimmt. Im Manager Magazin sagte ein Fachmann, Ex-Abteilungsleiter im Umweltbundesamt: „Es ist nur ein Zufall, dass es Volkswagen als erstes erwischt hat. In Europa gibt es noch eine ganze Reihe anderer Fälle. Nur bei uns prüft das keiner nach. Wir machen die Augen zu und tun so, als sei alles in Ordnung.“ Warum tut die Politik nichts dagegen? Der Fachmann: „Ja, die Problematik ist bekannt. Aber die Verknüpfung zwischen der Autoindustrie und der Politik ist eng.“

Das ist zierlich formuliert. Unter „Verknüpfung“ ist zu verstehen, dass die Autoindustrie die Politik weithin im Sack hat. Und was sie nicht dominiert, das hat die Energie-, die Chemie-, die Bankenindustrie in Händen. Nun hat der US-Staat den verknüpften Bereichen Autoindustrie und deutscher Politik einen Strich durch die Rechnung gemacht. Gegenüber den US-Konzernen hat Washington da größere Hemmungen. Aber beiderseits des Atlantiks wird es Fortschritt nur geben, wenn soziale Bewegungen und Gewerkschaften das Machtknäuel aus großem Kapital und seinen politischen Parteien aufdröseln und beiseite schieben können.