Katastrophen-Regierung im Hamsterrad. Terror-Angstmache als Krisenlösungsmodell

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© 2016 U.S. Department of Agriculture, Flickr | CC-BY

Die Bundesregierung hat die Bevölkerung aufgerufen, für den Katastrophenfall vorzusorgen und Lebensmittel-Vorräte einzubunkern für mindestens zehn Tage. Da die Deutschen ein folgsames Volk sind, wird die Empfehlung gewissenhaft befolgt werden, was unweigerlich zu verstärkten Hamsterkäufen führen muss. Den Tierhandlungen kann es nur recht sein, auch wenn so viele Hamster derzeitig gar nicht vorrätig sein sollten. Dann muss man sie eben züchten. Das ging ja beim IS-Terror auch.

Die Tierchen gelten als durchaus vermehrungsfreudig, sind leicht zu halten und in der Regel gut genährt. Pro Person einen Hamster täglich als Minimalversorgung, das würde bedeuten: Bei 80 Millionen Einwohnern bräuchte das Land binnen kürzester Frist also 800 Millionen Hamster, wenn die Kinder ihren eigenen nicht hergeben wollen, um ihn im Keller zu verspeisen, wenn draußen der kalte Blaulicht-Terror tobt und der Innenminister im erhitzten Hamsterrad seiner Sicherheits-Hysterie durchdreht.

Solange sitzt man sicher im Bunker und verputzt täglich seinen pausbäckigen Nager, gegrillt, gesotten oder gebacken. Für Veganer kommt Ersatznahrung in Form von Körnern und Nüsslein in Betracht, was das Hamsterfutter drastisch verknappt und die Preise etwa für Haferflocken deutlich hochtreibt, so dass wir am Ende bei einer „gesunden“ Inflationsrate von zwei Prozent landen. Auch die Milchpreise könnten so wieder raus aus dem Keller gelockt werden, indem die treusorgenden Menschen ihre lebenden Nachwuchs-Konserven mit Pipetten aufpäppeln.

Damit wären die Milchbauern und die Konjunktur insgesamt gerettet und dem Terror ein Schnippchen geschlagen. Zwar würden die werktäglichen Hamsterräder in Büros und Fabriken vorrübergehend stillstehen bis zur Entwarnung; falls jemals eine kommt, wo doch die Sirenen vielerorts längst abmontiert sind. Doch die Sicherheit wäre vollumfänglich gewährleistet. Zumindest solange, wie die Leute nicht den Kellerkoller erleiden, weil sie das ängstliche oder lustvolle Gefiepe ihrer mümmelnden Notrationen nicht mehr aushalten und durchdrehen, sich im Darknet eine Knarre besorgen und auf die verwaisten Straßen stürmen, um der Terrorwarnung tatsächlich zutreffend Nahrung zu geben.

Dann freilich müsste der Alarm per Katwarn-App verlängert und zu ergänzenden Hamsterkäufen aufgerufen werden. Ein Circulus vitiosus, der das Modell am Laufen halten würde, bis die Binnennachfrage allmählich in Schwung gekommen sein sollte. Mais- und Weizen-Überschüsse müssten nicht mehr hochsubventioniert zu Dumpingpreisen in Hungergebiete verschifft werden. Die lokalen Märkte Afrikas könnten aufatmen, weil die dort einheimische Hirse wieder eine Chance bekäme dank hiesiger Hamsterwirtschaft.

Hamster könnten sogar zur Ersatzwährung taugen, falls der Euro doch noch scheitern sollte. Zinserträgliche Selbstvermehrung wäre immerhin garantiert. Allerdings haben die possierlichen Tierchen auch nicht das ewige Leben. Zur Kapitalakkumulation oder für langfristige Spekulationen sind sie demnach nicht geeignet. Eher für kürzerfristige Anlagen. Denn steckt man einen Hamster einfach so für längere Zeit in ein Geschäft hinein, knabbert er alles an und kackt den Boden voll. Also lieber gleich umrubeln: Für günstige 8 Hamster 95 bekäme man schon eine schicke Sonnenbrille, um auf dem Schwarzmarkt nicht so aufzufallen, falls die Milchpulver-Vorräte für die Frischhamster-Aufzucht zur Neige gehen.

Aber Vorsicht: Keine Rucksäcke mitnehmen und keine Taschen mit mehr als drei Litern Fassungsvermögen, was ungefähr dem Gewicht von drei Kilogramm pürriertem Hamster entspricht. Ansonsten droht Beschlagnahme. Das neue Zivilschutz-Konzept empfiehlt nun ausdücklich, was nach dem letzten verheerenden Krieg noch als verpönt galt: Hamsterfahrten zur Selbstversorgung, bis der Sprit ausgeht, falls der Lappen nicht vorher schon gerichtlich konfisziert sein sollte, beispielsweise wegen eines groben Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Hamster dürfen nicht als Zugtiere missbraucht werden. Den Buggy zieht man selbst.

Die Empfehlungsliste für die Vorrats-Einlagerung ist lang: Von 250 g Trockenpflaumen über 28 Liter Wasse pro Nase, von grobem Schuhwerk und Schutzkleidung bis zum Helm und zum guten, alten Kurbelradio, falls eine Cyber-Attacke den Strom ausknipst, ist an fast alles gedacht, wie bereits vorab sehr vorBILDlich aufgelistet wurde, sogar an 700 g sauere Gurken für Schwangere. Das stärkt die Autarkie und damit die Kriegsführungs-Fähigkeit. Und schützt damit auch unsere Zivilisation. Die beruht bekanntlich darauf, dass man sich in die Augen schaut, bevor man sich gegenseitig umnietet im Gerangel um die letzten Lebend-Hamster.

Vor Gericht, im Straßenverkehr, im Öffentlichen Dienst und bei Demonstrationen ist von Selbstverdunkelung, Verschleierung und Vermummung ohnehin abzusehen. Analog gilt auch: Augen auf beim Hamsterkauf! Immer vergewissern, ob er das Näschen noch rümpft beim Schnuppern! Dem Betrug sind Scheunentore geöffnet. Schon vor dem vorletzten Krieg konnte man für ein lasches Hamsterfell eine Reichsmark erlösen. Doch wer würde schon eine lebende Währung gegen eine tote umtauschen wollen?!

Insgesamt könnte durch die Hamsterei auch der Spartrieb wieder angefacht werden, trotz Nullzins-Phase. Hamster-Horten empfiehlt sich allerdings nicht wirklich; sie nähmen ihre Backen einfach zu voll. Überdies ist mit jederzeitiger Einberufung zu rechnen. Ganze Infanterie-Regimenter mit dem passenden Rekruten-Dienstgrad „Jäger“ werden irgendwann gebraucht, um in bedrohten Feldern die letzten noch frei lebenden Exemplare einzufangen, so die Grundversorgung zu sichern und geknickte Halme wieder aufzurichten. Es käme also jederzeit Nachschub, wenn die Bundeswehr nur dürfte. Nicht gebrauchte Hamster könnten allenfalls in Pflege gegeben und in großen Hamsterrad-Batterien zur Stromerzeugung und eingesetzt werden. Das würde ihnen sogar noch Spaß machen; sie rennen ja um ihr Leben gern. Von Ausbeutung könnte da keine Rede sein. Beinahe schon ein sozialdemokratisches Konzept.

So etwas fällt dem drögen Energie- und Wirtschaftsminister leider nicht ein. Da muss schon der forsche Thomas vorpreschen. Der hat zur Not auch noch die erweiterte Vorratsdatenspeicherung in petto. Zwar kann man von Daten nicht abbeißen, doch auch virtuelle Trockennahrung hilft weiter: Mit Bits und Bytes lassen sich zumindest Computer füttern, die die nächste Terrorwarnung ausspucken. Das Konzept ist wohdurchdacht. Es hat nur eine kleine Lücke: Wenn sich ein Terrorverdacht ums Verrecken nicht erhärten ließe, müsste man den Katastrophenfall eben erfinden. Der könnte vielleicht bei der nächsten Bundestagswahl schon eintreten, selbst wenn diese nicht wie zufällig ausfallen sollte, weil wir alle ein paar Stockwerke tiefer beordert werden, draußen die Bundeswehr patrouilliert und die Straßen allein den Ratten gehören.

Irgendwann sind dann aber auch die letzten Hamster alle, und der Innenminister mit seinem Jägerlatein am Ende. Dann bräuchten wir ein neues Modell: Vielleicht mal aufhören mit Waffenproduktion und Kriegsexport. Weniger Hass und Hysterie schüren. Einfach mal friedlich werden statt immer kriegsbereiter. Aber das können die „Sicherheits“-Fanatiker einfach nicht. Jemand sollte ihnen einen überdimensionalen Käfig bauen, in dem sie sich austoben können ohne Menschen und Tiere zu gefährden. Wir würden sie gewiss auch am Leben lassen und sie bestimmt nicht verspeisen. Wäre ja eklig. Auch wenn Spuren des Kannibalischen in Teilen des „Christlichen Abendlands“ noch tief verwurzelt scheinen: Manche vertilgen sonntags höchst andachtsvoll den „Leib des Herrn“. Warum nicht mal Hamster?! Wenn es doch dem Zivilschutz dient mitten im Terrorkrieg!