Die Ideologie der Marktwirtschaft und die Flut der Panama-Paradise-Luxleaks-Papers

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Die Empörung über das asoziale Treiben der wirtschaftlich Mächtigen ist absolut berechtigt, wichtiger ist mir aber folgendes: Was lehren und lernen wir denn seit Generationen, seit Adam Smith, über das richtige wirtschaftliche Verhalten? Einen simplen Grundsatz: Der Mensch ist von Natur aus egoistisch, und das ist gut so. Denn Marktwirtschaft funktioniert dann am besten, wenn die Menschen ausschließlich ihren Eigennutz verfolgen, sich also maximal egoistisch verhalten. Dann und nur dann kriegen wir die beste, reichste, stabilste und vor allem auch gerechteste Gesellschaft (Pareto-Optimalität).

Die Konkurrenz der Egoisten lässt nur das Beste zum Nutzen der Gesamtgesellschaft erfolgreich sein. Die Konkurrenzwirtschaft ist also der Menschennatur absolut angemessen, jede andere Wirtschaftsform ist pervers, widernatürlich. Gemeinsame Aktionen (staatliches Handeln) in der Wirtschaft sind also falsch. Dieses Axiom gilt absolut, und dieses Axiom strahlt mittlerweile auch auf alle anderen Lebensbereiche aus. Mit diesem Axiom werden schon die Schulkinder in den Lehrbüchern traktiert, das kriegen sie als Lebensweisheit von ihren Vätern eingetrichtert, das predigt (nicht nur) die FDP täglich rauf und runter, genau das lernen die VWL-Studenten in extrem elaborierten mathematischen Modellen. Dennoch: das Axiom ist ein erbärmlich primitiver Gedanke, der die Intelligenz der Menschen beleidigt, die sich Gedanken machen über den Zusammenhalt und die Entwicklung von Gesellschaften.

Konkurrenz ist immer die Konkurrenz von Starken gegen Schwache. Die Freunde der Konkurrenzwirtschaft, die Anhänger der Ideologie der Marktwirtschaft, sollten eigentlich Freude empfinden, wenn die Top 0,1 %, die Big Player, den Konkurrenzauftrag ernst nehmen und sich Anwaltsbüros, Abgeordnete und Regierungsangestellte kaufen und so ihren Nutzen optimieren. Nach ihrer Ansicht profitiert der Rest der Gesellschaft ja mit (trickle-down-Effekt, Brosamen vom Tisch der Reichen). Die Freunde der Konkurrenzwirtschaft bringen ja sonst auch alles Verständnis der Welt auf dafür, dass die Big Player im Rahmen ihrer Optimierungsanstrengungen grad mal Umwelt und Natur zerstören müssen (von Glyphosat über Stickoxide bis zur Klimakatastrophe), wobei da leider auch die Milliarden armer Menschen (die halt eben etwas konkurrenzschwächer sind, und v.a. fauler, also selbstverschuldet arm) ziemlich unter die Räder kommen. Das mag zynisch klingen, aber so zynisch ist in der Tat die reale weltweite Marktwirtschaft, und zudem verkommen, parasitär, kriminell durch und durch.

Wir müssen dieses Wirtschaftssystem grundlegend umstürzen, weg vom Prinzip der Profitmaximierung, einem Prinzip, dessen übelste Auswirkungen nur mit einer riesigen staatlichen Bürokratie und nur mühsam beherrschbar sind. Hin zu einer Wirtschaft, in der die Interessen der Bevölkerung bereits bei Investition und Produktionsplanung eingehen und wirksam werden. Kommunale Unternehmen, etwa Sparkassen, Stadtwerke, Wohnungsbau, Freizeiteinrichtungen, könnten Beispiele und ein Ansatz für eine demokratische Wirtschaft sein. Beruhend auf Diskussion und Konsens statt nur auf Egoismus und Konkurrenz.