Klimawandel, Insektensterben, Glyphosat: Kein Stopp der Umweltzerstörung in Sicht

In den letzten Wochen ist, angestoßen durch Konferenzen und neue Untersuchungen, anhand von zwei Bereichen bzw. Konfliktfeldern die riesige Diskrepanz zwischen dem Trend der fortschreitenden Umweltzerstörung und dem nötigen Rückgängigmachen dieser Zerstörung diskutiert worden. Es geht um den Klimawandel und um den Rückgang der Artenvielfalt, konkret bei den Insekten.

 

Die Grafik veranschaulicht den erreichten Entwicklungsstand und den Zustand, den wir (eigentlich) anstreben müssen. Die rote obere Kurve gibt die (stark geglättete) Entwicklung der Klimagasemissionen in Deutschland seit 1990 wieder. Bis 2000 wurde noch eine Reduzierung im Jahresdurchschnitt um 1,8 % erreicht, im folgenden Jahrzehnt bis 2010 um 1,0 %, seither noch um 0,6 %. Um das offizielle Regierungsziel einer 95%-Reduzierung (gegenüber dem Ausgangsjahr 1990) bis 2050 noch zu erreichen, ist eine jährliche Reduzierung um 7,4 % ab heute bis 2050 nötig (%-Werte gemessen jeweils am Vorjahresstand). Dieses Ziel erfordert eine dermaßen intensive Beschleunigung der bisherigen Anstrengungen, dass es dann offensichtlich utopisch ist, wenn nicht jetzt eine völlig neue Klimapolitik durchgesetzt werden kann – vor allem, nachdem bisher nur einfache Maßnahmen durchgeführt wurden und die schwierigen Bereiche erst noch angegangen werden müssen.

Die blaue untere Kurve zeigt (ebenfalls stark geglättet) das Insektensterben in Deutschland. Seit einigen Wochen ist eine Untersuchung heftig umstritten, die zum Ergebnis kommt, dass ein Rückgang der Insektenmassen in Deutschland seit 1990 um 75 % stattfand. Mag sein, dass es vielleicht „nur“ 65 % sind – es gibt jedenfalls Indizien genug für ein höchst dramatisches Insektensterben, sowohl der Anzahl der Arten wie der Menge der Insekten überhaupt. Diese extreme Entwicklung lässt eine Korrektur und Rückkehr zu den Verhältnissen vor 1990 ziemlich illusorisch erscheinen. Es wäre eine Totalumkehr eines jahrzehntelangen extrem starken Trends nötig. Das ist bisher auch kein offizielles Regierungsziel, aber eine Korrektur des Insektensterbens sollte eigentlich als selbstverständlich angestrebt werden. Die Industrialisierung der Landwirtschaft mit riesigen Monokulturen (z.B. die Maiswüsten) und Totalherbiziden (Glyphosat) bringt kurzfristig Ertragssteigerungen und langfristig die Zerstörung der Artenvielfalt und die Verschlechterung der Bodenqualität. Über die Folgen des Insektensterbens auf den Biokreislauf diskutiert die Fachwelt; klar ist, dass das weit von Harmlosigkeit entfernt ist.

Die Grafik als solche beweist natürlich nicht, dass Marktwirtschaft und Kapitalismus die Ursachen sind für die fortschreitende Umweltzerstörung, und – mehr noch – wie sie das verursachen. Die Grafik zeigt allerdings bzw. lässt stark vermuten, dass eine Umkehr hin zu einer lebenswerten Umwelt offensichtlich fundamental mehr bedarf als nur das Schrauben an einigen Stellgliedern. Was das mit unserem Wirtschaftssystem zu tun hat, darüber gibt es mehr Informationen beispielsweise in: