Elmar Altvater – der „unermüdliche Weltverbesserer“ ist gestorben

Am 1. Mai 2018 starb Elmar Altvater im Alter von 79 Jahren in Berlin. Selbst das „bürgerliche Feuilleton“ kam zu seinem Tod nicht um ihn herum. Die Süddeutsche Zeitung lobte ihn als „unermüdlichen Weltverbesserer“. Sie feierte den Ökonomen und Politikwissenschaftler als „undogmatischen Marxisten“, der im Gegensatz zur „orthodoxen Lehre“ gewusst habe, „dass der Kapitalismus nicht einfach so zusammenbricht“. Der Kritiker freut sich, dass Altvater gelehrt habe, dass der Kapitalismus sich in den unvermeidlichen Krisen beständig erneuere. Altvater als Lehrer einer immerwährenden Renaissance des Kapitalismus?

Wer sein zentrales Werk kennt – Das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen. Eine radikale Kapitalismuskritik – weiß, dass dies nicht stimmt. Dort führt er aus, dass die „Endlichkeit des fossilen Energieträgers Öl“ nicht vereinbar ist mit der maßlosen „Wachstumsdynamik“ des Kapitalismus. Der „Zusammenhang zwischen (fossilem) Energieverbrauch, Treibhausgasen und Erderwärmung“ führe zu einer Klimakatastrophe, die die „Umweltsicherheit, Nahrungssicherheit, Sicherheit der Behausung, die Gesundheit der Menschen in aller Welt“ gefährde. Bei Fortsetzung des Kapitalismus stehe ein „Imperium der Barbarei“ mit Armut, Hunger, Migrationsbewegungen, Kriegen und Umweltzerstörung bevor. Doch erkannte Altvater bereits die „Zeichen einer anderen Welt´“ in diesem Kapitalismus, nämlich in den Bewegungen für „eine solare Gesellschaft und eine solidarische Ökonomie“. Dass der moderne Kapitalismus als verderblicher Hauptfaktor des Anthropozäns herausgebracht wurde, des Zeitalters, da der Mensch die natürlichen Lebensgrundlagen zu vernichten droht, ist in Deutschland in vorderer Linie das Verdienst des marxistischen Gelehrten Altvater.

Er hatte viele andere vorzügliche Eigenschaften. Eine davon war sein enzyklopädisches Wissen. In München wunderten sich in den sechziger Jahren der Internationale oder der Liberale Studentenbund, wieso in allen aktuellen Fragen stets der SDS das erste und informativste Flugblatt herausbrachte, seien es Ereignisse in Griechenland oder in Vietnam. Der SDS hatte keine geheime Datenbank, er hatte Elmar Altvater.

Vereint mit diesem tiefen Wissen und einer unerbittlichen Debattierlust war eine unerschütterliche Freundlichkeit, ein Charme, der allen seinen Dialogpartnern entgegenschlug. Elmar war nicht nur klug und kenntnisreich, er war liebenswürdig.

Wir vom isw haben einen Freund verloren. Altvater hat auf isw-Foren referiert, er hat in isw-Seminaren gelehrt und diskutiert.

Er ist nicht zu ersetzen.