Indien im System des globalen Kapitalismus – Weshalb sich mit Indien beschäftigen?

2017 | ILO, Flickr | CC BY-NC-ND 2.0

Im September dieses Jahrs erscheint der neue isw-Report zum Thema „Indien im System des globalen Kapitalismus“.

Der Autor Professor John P. Neelsen, lehrte am Institut für Soziologie, an der Universität Tübingen; er war Gastdozent an den Universitäten Freiburg, Karlsruhe, Bochum, Berlin und Bremen sowie an den Universitäten in Benares/Indien, Nancy/Frankreich und Zürich/Schweiz tätig. Neben seinen politisch-wissenschaftlichen Tätigkeiten u.a. für die Rosa-Luxemburg-Stiftung, als wissenschaftlicher Beirat von ATTAC, Deutschland und als Vertreter der International Research Foundation for Development (IRDF) in der UNO in Genf hat John P. Neelsen eine ganze Reihe von Analysen, Reports und Stellungnahmen veröffentlicht.

Seine Forschungsschwerpunkte sind u. a. Politische Ökonomie, Weltsystemanalyse, Nord-Süd-Beziehungen, Globalisierung, Konfliktforschung und vor allem auch die Analyse der politisch-ökonomischen Grundlagen und die Entwicklungschancen von Indien, einem Land, das einen eigenen Weg mit vielfältigen Risiken zu einer wirtschaftlichen Großmacht eingeschlagen hat.
Er benennt einige wesentliche Gründe, die ein Beschäftigen mit Indien nahelegen:

  • wirtschaftliche Gründe – früher ein Armenhaus der Dritten Welt, heute belegt Indien den siebten Rang unter den Weltwirtschaften,
  • historisch-kulturellen Gründe, die vor allem in der Wertbeständigkeit und Kontinuität des Hinduismus zu finden sind,
  • kolonialgeschichtliche Gründe – die Erschließung des „Seewegs nach Indien“ vor etwa 500 Jahren kann als der Beginn des neuzeitlichen Europäischen Kolonialismus und der Beginn der Globalisierung bezeichnet werden,
  • entwicklungsstrategische Gründe – mit welcher Strategie Indien eine nachholende Entwicklung zu realisieren versucht (neoliberalistisch oder per staatlicher Intervention), zeitigt gravierende weltweite Auswirkungen,
  • umweltpolitische Gründe – es sind die Bedingungen zu beleuchten, welches Gesellschaftsmodell sich in Indien entwickeln wird, um einerseits den drastisch erhöhten Energie- und generellen Ressourcenaufwand zu befriedigen und dabei die ökologischen Folgen einzukalkulieren,
  • friedenspolitische Gründe – der permanente Kriegszustand zwischen den Atommächten Indien und Pakistan ist zu den gefährlichsten Brandherden überhaupt zu zählen und letztlich
  • geopolitische Gründe – die Rolle von Indien im aktuellen Prozess der Neufigurierung des geopolitischen Systems angesichts des Niedergangs des Westens und des Aufstiegs des Südens.

John P. Neelsen ist sich sicher: „Anders als Deutschland oder selbst die EU – die Zukunft gehört Indien. Deshalb gebietet schon das Eigeninteresse, sich intensiver mit Indien, seiner Gesellschaft und Politik, auseinander zu setzen.“