Weltwirtschaftskrise und Klimaschutz

26.04.2020 | Franz Garnreiter

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Weltweiter Ölverbrauch seit 1980 in Millionen Barrel pro Tag

Quellen: BP: Statistical Review of World Energy 2019; IEA: Oil Market Report April 2020.

Die Grafik zeigt den Weltölverbrauch seit 1980 bis 2019 in Millionen Barrel pro Tag. Ein Barrel umfasst 159 Liter, 2019 wurden also im Tagesdurchschnitt um die 16.000 Millionen Liter Öl verbrannt. Pro Tag. 365 Tage lang. Das sind 4,7 Milliarden Tonnen Rohöl im Jahr.

Seit 1980 (und auch schon davor) ist der Weltölverbrauch unentwegt gestiegen. Das Wissen um die dadurch herbeigeführte Klimazerstörung änderte und ändert daran nichts. Lediglich die Wirtschaftskrisen sind im ansonsten gleichmäßigen Verlauf bemerkbar. Die kleine Delle von 2009 rührt von der bislang größten Wirtschaftskrise seit 70 Jahren.

Jetzt aber: Der von Corona ausgelöste Lockdown der Wirtschaft, die vermutlich noch weit schärfere Weltwirtschaftskrise als die von 2009, führt zu einem Verbrauchsrückgang um knapp ein Viertel: So die Hochrechnung der IEA für das zweite Quartal 2020 (IEA ist die Energieagentur der OECD, der reichen Länder, die seit der Ölkrise in den 1970er Jahren für die gemeinsame Energiepolitik zuständig ist). Für April 2020 allein rechnet die IEA mit einer Verbrauchsreduzierung von sogar an die 30 %, für das Gesamtjahr mit einer Reduzierung um 10 %, auch wenn die Weltwirtschaft schnell einen Wiederaufschwung einschlagen sollte.

Was ist das nur für ein bescheuertes Wirtschaftssystem! Wir wissen mittlerweile wirklich alle um die hohe Dringlichkeit, aus Klimaschutzgründen die Ölverbrennung schnellstmöglich Richtung Null zu reduzieren. Aber nichts geschieht, was im statistischen Verlauf Spuren hinterließe – egal wie viele internationale Konferenzen, tolle Beschlüsse, hehre Versprechungen, Klimapläne und Klimagesetze, heilige Schwüre geschehen. Es muss erst eine Krise kommen, rabiat wie seit Menschengedenken nie gesehen (stopp: die Menschen in den armen Ländern kennen solch einschneidende Krisen gut genug), und nur dadurch ist eine merkbare Reduzierung zu erwarten. 10 % Reduzierung: das ist eigentlich nur das, was aus Klimaschutzgründen fortlaufend alle zwei, mindestens alle drei Jahre erreicht werden müsste.