Corona-Pandemie: Die deutsche Wirtschaft schrumpft

Die Auswirkungen der Pandemie nehmen für die deutsche Wirtschaft im 1. Quartal 2020 bereits gravierende Ausmaße an. Das Bruttoinlandsprodukt sinkt um 2,2% im Vergleich zum 4. Quartal in 2019 (preis-, saison- und kalenderbereinigt). Wie das Stat. Bundesamt mitteilt, wird das Quartalsergebnis besonders durch die wirtschaftlichen Einbrüche im Monat März geprägt. Seit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 war dies der stärkste Rückgang der Wirtschaftsleistung.

Auch im Vorjahresvergleich ist die Wirtschaftsleistung eingebrochen: Das BIP war im 1. Quartal 2020 preisbereinigt 1,9% niedriger als ein Jahr zuvor. Nur in den Jahren der Finanz-und Wirtschaftskrise 2008/2009 hat es stärkere Rückgänge gegenüber einem Vorjahresquartal gegeben. In den zentralen Bereichen der deutschen Wirtschaft namentlich Industrieproduktion, Neuaufträge im Verarbeitenden Gewerbe und die Exporte im März 2020 im Vormonatsvergleich so stark eingebrochen wie noch nie seit Beginn der Veröffentlichung von Zeitreihen in den Jahren 1990 und 1991.

Expertinnen und Experten wie etwa die Wirtschaftsweisen erwarten gemäß ihres Sondergutachten vom März 2020, dass die Corona-Pandemie deutlichere Einschnitte für die Konjunktur haben wird als die Finanz -und Wirtschaftskrise der Jahre 2008 und 2009. Sie gehen im Extremfall von bis zu 5,4% aus.

Laut des ifo-Instituts zeigen diese Krisen- Quartalszahlen des Stat. Bundesamtes bei weitem noch nicht das wahre Ausmaß der Krise.Die vom Staat verhängten Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie drosselten die Produktion von Waren und Dienstleitungen nur im Verlauf des Monats März und damit am Ende des ersten Quartals. Ein Großteil der Auswirkungen wird erst im April zu Buche schlagen. Nach Schätzungen des ifo Instituts brach die Wirtschaftsleistung während der Corona-Schließungen um 16 Prozent ein“. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte demnach im zweiten Quartal mit minus 12,2 Prozent um ein Vielfaches stärker schrumpfen als zu Jahresbeginn.

Die Industrieproduktion , das Produzierende Gewerbe ohne Energie und Baugewerbe, ist im März 2020 in nahezu allen Bereichen um insgesamt 11,6 % gesunken. Am stärksten war die Automobilindustrie betroffen, deren Produktion gegenüber Februar 2020 um fast ein Drittel zurückging. Die Energieerzeugung lag 6,4 % niedriger als im Vormonat. Im Baugewerbe zeigten sich dagegen noch keine unmittelbaren Auswirkungen der aktuellen Krise: Die Bauproduktion stieg entgegen dem Trend um 1,8 %.

LKW-Maut-Fahrleistungsindex

Als einen ersten Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung gibt das stat. Bundesamt den sogenannten Maut Fahrleistungsindex an. Der Indikator misst die Fahrleistung der mautpflichtigen Lastkraftwagenmit mindestens vier Achsen auf Bundesautobahnen. Da die Lkw-Fahrleistung in engem Zusammenhang mit der Industrieproduktion in Deutschland steht, gibt der Index frühe Hinweise zur Konjunkturentwicklung im April 2020. Die Trendverläufe der vergangenen Jahre zeigen den engen Zusammenhang zwischen dem Produktionsindex und dem Lkw-Maut-Fahrleistungsindex. Kritisch ist anzumerken, dass man diesen Index auch als Verkehrswende-Hinderungs-index umwidmen könnte, eingedenk der Tatsache, dass der LKW-Verkehr nach wie vor eine dominierende Rolle beim grenzüberschreitenden Güterverkehr spielt. Insofern zeigt der gegenwärtige Index auf, wieviel Ware voraussichtlich entgegen eines ökologisch sinnvolleren Transportierens auf dem Güter-Schienentransportweg verhindert wird.Die deutschen Warenexporte sind im März 2020 gegenüber Februar 2020 kalender- und saisonbereinigt um 11,8 % gesunken. Die Warenimporte sind um 5,1 % zurückgegangen. Bei den Exporten war dies der stärkste Rückgang gegenüber einem Vormonat seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1990. Im Vorjahresvergleich sind die Exporte im März 2020 gegenüber März 2019 um 7,7 % gesunken, die Importe um 4,4 %. Der Außenhandelsumsatz insgesamt (Wert der Exporte und Importe zusammen) war 6,2 % geringer als ein Jahr zuvor. Im April 2020 sind aufgrund des Lockdowns der Wirtschaft sowohl im Vormonats- als auch im Vorjahresvergleich noch deutlichere Einbrüche im grenzüberschreitenden Warenverkehr zu erwarten. Je nach Handelspartner waren die Exporte im Vorjahresvergleich unterschiedlich stark beeinträchtigt: Während Exporte in die Vereinigten Staaten vergleichsweise moderat um 3,8 % auf 10,2 Milliarden Euro abnahmen, gingen die Exporte in die Volksrepublik China und in die Niederlande um fast 10 % auf jeweils 7,5 Milliarden Euro zurück. Diese drei Staaten waren über das Jahr 2019 gesehen die wichtigsten Handelspartner Deutschlands. Die Ausfuhren in die im März besonders schwer von der Corona-Pandemie betroffenen europäischen Staaten Frankreich und Italien sind im März 2020 um fast 20 % gegenüber März 2019 gefallen, nach Spanien wurde fast 16 % weniger exportiert.Die Wirtschaftsleistung wurde im 1. Quartal 2020 von rund 45 Millionen Erwerbstätigen mit Arbeitsort in Deutschland erbracht. Weil Kurzarbeitende nach der Definition des stat. Bundesamtes als Erwerbstätige zählen, hat sich die Corona-Pandemie im 1. Quartal 2020 nur verhalten in der Zahl der Erwerbstätigen niedergeschlagen. Der Arbeitsmarkt bewegte sich mit 147 000 Personen bzw. um 0,3 % mehr als noch ein Jahr zuvor nahe an der Stagnation. Der Anstieg der Kurzarbeit in der zweiten Märzhälfte wirkte sich bereits senkend auf die Arbeitszeit und die Arbeitnehmerverdienste aus. Es ist davon auszugehen, dass sich der Anteil an Kurzarbeit und der zu erwartende Abbau von Arbeitsstellen (u. a. infolge von Standortschließungen und Geschäftsaufgaben) signifikant auf die Wirtschaftsleistung im 2. Krisen-Quartal auswirken dürfte.

Der Einzelhandel hat im März 2020 die stärksten Umsatzeinbußen gegenüber einem Vormonat seit Mai 2007 hinnehmen müssen. Aufgrund der bundesweiten Geschäftsschließungen ab 16.März 2020 sind die Umsätze in einzelnen Einzelhandelsbranchen im März 2020 stark eingebrochen. Eine Umsatzsteigerung erzielten neben dem Lebensmitteleinzelhandel Apotheken und Drogerien. Insgesamt ist der Einzelhandelsumsatz in Deutschland im März 2020 nach vorläufigen Ergebnissen real (preisbereinigt) sowie kalender-und saisonbereinigt um 4% gegenüber Februar 2020 gesunken.Die Corona-Pandemie hat die Preise von Import, der Produktion über den Handel bis hin zum Endverbrauch oder Export – zunächst stark nach unten gedrückt. Dem Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise folgte eine Phase umfassender und deutlicher Preisanstiege, die insbesondere vom Ölpreis getrieben waren.

Aufgrund der engen Verflechtung der deutschen Wirtschaft in globale Handels-und Produktionsketten wirkt sich die Entwicklung der Rohstoffpreise auf den Weltmärkten stark auf die Preisentwicklung in Deutschland aus. Dominiert wurde der Preisverfall durch die Rohölpreise. Der aktuelle Preisrückgang ist zu einem großen Teil auf den Preisverfall bei der Erzeugung von Mineralölprodukten (-23,3%) zurückzuführen. Strom (über alle Abnehmergruppen hinweg) war 2,0% billiger als vor einem Jahr.

Während die Erzeugerpreise für gewerbliche Produkte in Deutschland im April 2020 um 1,9% gegenüber April 2019 nachgaben, stiegen die Erzeugerpreise für Nahrungsmittel um 3,8%. Bedingt durch die aktuell erschwerten Bedingungen beim Ernten und Transportieren war bei frischem Obst ein Preisanstieg von +13,0 % (hierunter Zitrusfrüchte mit +20,1%) und frischem Gemüse von +7,9% zu verzeichnen.

Abschliessend sei erwähnt, dass das stat. Bundesamt anläßlich der angenommenen längeren Phase der wirtschaftlichen Krisenauswirkung den Krisenmonitor einführt. Dieser ermöglicht einen Vergleich zwischen Corona-Krise und Finanzmarktkrise 2008/2009. Am Beispiel ausgewählter Konjunkturindikatoren läßt sich hiermit ein Vergleich zwischen der Entwicklung während der Corona-Krise und während der Finanz-und Wirtschaftskrise 2008/2009 anstellen.

Gemessen an der Entwicklung des preis-und saisonbereinigten BIP zeigt sich zu Beginn der Corona-Krise im 1. Quartal 2020 ein abrupter wirtschaftlicher Einbruch.