Liebe isw-Leserinnen und -Leser,

wir beginnen unseren Newsletter diesmal mit einem Text von Fred Schmid zur Entwicklung der Profite und der Dividenden bei den deutschen Konzernen. Während die von Löhnen und Gehältern lebenden Beschäftigten darauf verwiesen werden, dass ihre Bezüge im letzten Jahr womöglich 2 % Realzuwachs erleben, haben sich die Profite der 30 DAX-Konzerne im letzten Jahr um fast 50% erhöht. Zwei Aktionärsfamilien, die Quandts bei BMW und die Porsche-Piechs bei VW, haben allein an Dividende für das letzte Jahr über eine Milliarde Euro erhalten. Leistung lohnt sich eben, wie man auch beim Ex-Chef von VW, Winterkorn, sehen kann. Er erhält 3.100 Euro Rente – am Tag. Es ist ein betrügerisches System. Winterkorn, der im betrügerischen Konzern jahrelang die Kommandos gab, erhält über eine Million Euro im Jahr allein als Rente. Und die BMW-Aktionärsgranden Quandt und Klatten erhalten eine Dividende, für die 127.500 BMW-Angestellte bei einem angenommenen Gehalt von 60.000 Euro ein Jahr lang arbeiten müssen. Das nennt man wie? Soziale Marktwirtschaft.

In einem zweiten Teil präsentieren wir Informationen zur eben abgehaltenen „Münchner Sicherheitskonferenz“. Walter Listl, Mitarbeiter des isw, sprach bei der Auftaktkundgebung des Friedensbündnisses gegen die Konferenz. Seine Rede drucken wir ab. Wolfgang Blaschka nimmt sich die Konferenz und die Aktionen dagegen satirisch vor. Beide treibt die Sorge, dass Europas und vor allem Deutschlands politische Eliten das „America First“ des Präsidenten Trump für einen eigenen Super-Nationalismus nutzen wollen.

Conrad Schuhler untersucht, wie der Trump-Effekt die europäische Rechtsentwicklung befördert. Eine der Fragen, die LeserInnen immer wieder stellen, lautet: Haben Trump und seine Förderer Weltherrschaftspläne oder wollen sie die soziale Lage der arbeitenden Bevölkerung verbessern? Schuhler argumentiert, dass „America first“ nicht bedeutet, dass die USA sich auf sich zurückziehen wollen, sondern dass sie die dominante Macht in der Weltpolitik einnehmen und ausbauen wollen. Den europäischen Rechtskräften gibt der „Trump-Effekt“ Auftrieb. Es gibt eine enge Korrelation von Fortschreiten der neoliberalen Globalisierung, wachsender sozialer Ungleichheit gerade in den Industrieländern und dem Erstarken der Rechten. Diese Tendenz ist in der Struktur der kapitalistischen Globalisierung selbst angelegt.

Für den und die, die sich eine langfristige Planung ihrer Wochenenden vornehmen, haben wir eine vielleicht relevante Information: Am 24.6. führt das isw sein nächstes Forum im DGB-Haus in München durch. Thema: Globaler Umbruch – Protektionismus? Rechtsextremismus? Krieg? Referenten: Leo Mayer: Die aktuelle Struktur des globalen Kapitalismus. Stephan Lessenich: Der Norden lebt über die Verhältnisse des Südens. Conrad Schuhler: Ist eine andere Welt möglich – solidarisch, friedlich, demokratisch, nachhaltig?

Anmeldungen bitte an unser isw-Büro. Dort auch weitere Informationen.

Zum Schluss noch einen speziellen Dank an unsere Spender. Mit Ihrer Hilfe haben wir im letzten Endspurt unser Ziel für 2016 sogar übertroffen. Nun werben wir in der Kampagne 2017. Das ist keine Marotte oder ein bedenklicher Hang zum Gelderwerb, sondern: Wir brauchen die Spendengelder, um unsere Arbeit in der gewohnt wissenschaftlich einwandfreien Form und auch zu den geringen Preisen der Produkte fortzuführen. Einem eventuellen Zuspruch sehen wir freudig entgegen.

Wir stehen vor einem harten Jahr. Die Aufrüstungspläne, die Wahlen mit den Drohungen rechtsnationalistischer Erfolge auch in Deutschland, die G20-Konferenz im Juli in Hamburg – es gibt viel zu tun. Warten wir es ab, wäre nicht die richtige Losung. Wir gehen ran, aber mit Frohsinn und siegesgewiss. Über den Zeitpunkt des Sieges wird noch gestritten.

isw-Redaktion

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report 107/108
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Spezial 30

Franz Garnreiter: spezial 30

Klimazerstörung. Die Verantwortungslosigkeit kapitalistischer Gesellschaften 

52 Seiten

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2016 haben wir unser Spendenziel von 15.000 Euro knapp verfehlt. Wir danken allen Spenderinnen und Spendern für die großzügige Hilfe. Das isw mit seinen niedrigen Heftpreisen und seiner Themen- und Autorenvielfalt kann nur dank dieser solidarischen Unterstützung funktionieren.

Das gilt auch für 2017. In diesem Jahr des Bundestagswahlkampf werden die Bilanz der Großen Koalition und die Entwicklung sozialer Alternativen; die Neuordnung der Welt im Gefolge der Verschiebung der ökonomischen Schwerpunkte; der Terrorismus und das Aufkommen rechts-nationalistischer Kräfte als Folgen wachsender sozialer Ungleichheiten global wie national im Zentrum unserer Arbeiten stehen. 

Wir bitten wieder um ihre Unterstützung. Jeder Beitrag ist willkommen und sehr hilfreich.

isw e.V.
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IBAN: DE49 700 905 00 0000983420
BIC: GENODEF1S04

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