report 100/101

26.04.2015 | Leo Mayer, Fred Schmid, Conrad Schuhler

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Im vorliegenden Report geht es um die Grundzüge des stattfindenden Umbruchs im globalen Kapitalismus: Wie hat sich der globale Kapitalismus bis heute auf die Lebensbedingungen der Menschen ausgewirkt? Welche Momente prägen seine aktuelle Struktur? Wie wirkt sich die wachsende soziale Ungleichheit in allen Teilen der Welt auf das globale soziale System und seine wirtschaftliche Entwicklung aus? Entsteht mit den BRICS-Ländern der Kern einer alternativen Weltordnung? Wird der Konflikt zwischen „altem Westen“ und sich emanzipierendem Süden zu militärischen Konflikten, womöglich zu einem „Großen Krieg“ führen?

Die Analyse führt u.a. zu den folgenden Thesen:

  • Die neoliberale Globalisierung hat die Menschheit in existenzielle Bedrängnis gebracht. Armut und Hunger haben zugenommen. Ein wachsender Teil der Menschheit wird, wie Papst Franziskus formuliert, als „Müll“ weggeworfen.
  • Das neoliberale Konzept eines globalen Wachstums über steigende Exporte ist erschöpft. Ein neues Wachstumsmodell, etwa ein „grüner Kapitalismus“, wird von den herrschenden Eliten bekämpft. Das „Weiter so“ weist wirtschaftlich und sozial in die Sackgasse.
  • Es entwickelt sich, vor allem im Transatlantischen Raum, eine transnationale Kapitalistenklasse heraus, wie sich beispielhaft in globalen Vermögensverwaltungsfirmen, Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaften, globalen Anwaltskanzleien und Ratingagenturen zeigt.
  • Die wachsende soziale Ungleichheit führt zu einem enormen Anschwellen des Finanzsektors, der einen immer höheren Teil des realen Produkts an sich reißt. Dies führt nicht nur zum Anschwellen des Reichtums weniger bei gleichzeitig wachsender Armut der Vielen, sondern auch zu einem empfindlichen Abbremsen der wirtschaftlichen Entwicklung.
  • Die BRICS-Länder, die Schwellenländer des Südens, werden zur dominierenden wirtschaftlichen Größe, haben aber mannigfache Schwierigkeiten, eine geschlossene politische Einheit zu werden. Diese Verlagerung in der globalen Machtstruktur bietet jedoch die Chance für eine alternative Weltordnung, ein multilaterales Gefüge ohne die Dominanz des Westens.
  • Der Westen will diese Machtverlagerung mit allen Mitteln verhindern. Die USA und die EU mit ihrer Vormacht Deutschland entwickeln ein Konzept des „kooperativen Imperialismus“. Dies schließt den Aufbau und die Androhung militärischer Gewalt mit ein. Als Hauptgegner in den Militärstrategien des Westens gelten Russland und China. Die Gefahr eines großen Konflikts wächst.