report 2

08.06.1990 | Fred Schmid

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Die Schlagzeilen der Wirtschaftspresse lesen sich zunehmend wie Kriegsberichtserstattung. Die Rede ist vom „Krieg der Konzerne“, der „Schlacht um den Weltmarkt“. Es geht um „Hauen und Stechen“, um „Sein oder Nichtsein“.

Zwischen Japan und USA droht ein „Handelskrieg“. Nach der Niederringung der Sowjetunion gilt in den USA Nippon als „neues Feindbild“. „Washington rüstet zum Kampf gegen den unheimlichen Exportriesen aus Fernost“. Das Forschungsinstitut ‚Brookings Institution‘ fragt: „Ist es an der Zeit fürs Verteidigungsministerium, Pläne für einen eventuellen Krieg mit Japan zu entwerfen?“

„Japan gegen den Rest der Welt“. Die „Zweite Angriffswelle rollt“. Diesmal gegen die „Festung Europa“. „Schlachtfeld der 90er Jahre Ist der europäische Markt“. Japans Auto- und Elektronikkonzerne planen einen „Vernichtungsfeldzug“. Toyota-Chef Toyoda ist sicher: „Wir werden den Automobil-Krieg gewinnen“.

Doch die BRD-Multis schlagen zurück. Die „Kriegskassen sind gefüllt“, die „Aufrüstung für den Krieg am Weltmarkt“ ist vollzogen. „Der Krieg findet längst statt“. Siemens schickt die „Stäbe an die Front“. BMW ist überzeugt: „ln der Mannschaft steckt Schub, die Belegschaft marschiert“. „Siemens erobert neue Jagdgründe in den USA“, ist „auf dem Sprung nach Osten“ und kämpft „an allen Fronten“. Siemens-General Kaske: „Wir entern jetzt jedes Schiff, das an uns vorüberkommt“. Doch der Piraten-Kapitalist aus München wartet nicht nur ab, sondern geht selbst auf Eroberungs- und Vernichtungskurs wie Daimler, Deutsche Bank, Allianz, …