report 27

11.03.1996 | Roland Charles Pauli

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Ende der achtziger Jahre wird ein neuer Begriff zum Allgemeingut: Lean Management. Lean Management oder auch Lean Production stehen für neue Strukturen und Organisationsformen der Arbeitswelt. In Wirtschaftszeitschriften, in Vorlesungen an den Universitäten, in einer Flut von Büchern: überall diskutieren Unternehmensberater, Manager und Betriebswirte über Sinn und Auswirkung der schlanken Organisation. Lean Management, so versichern sie uns, sei die Revolution in der Produktion und damit auch in der Gesellschaft – vergleichbar nur mit der Erfindung des Fließbandes oder der Dampfmaschine. · In diesem report versuchen wir, die jüngsten Entwicklungen in der betrieblichen Wirklichkeit nachzuzeichnen und zu beurteilen. Entsteht da tatsächlich eine neue Form der Produktion? Und wenn ja, was bringt diese neue Form? Ist sie ein Beitrag zur Befreiung von den Zwängen der Massenproduktion oder führt sie nur zu einer noch drastischeren Unterwerfung der Produzenten unter diese Zwänge? Erlaubt sie mehr betriebliche Demokratie oder stärkt sie die Obermacht der Unternehmensinteressen? Schaffen die neuen Arbeitsformen Beschäftigung, sichern sie die sozialen Systeme oder sind sie Grundlage für Massenarbeitslosigkeit und die Aufkündigung gesellschaftlicher Solidarität? Und nicht zuletzt – welche Aufgaben leiten sich für die gewerkschaftliche Arbeit und für eine alternative Wirtschaftspolitik ab. Sollen die Gewerkschaften und Betriebsräte die Verschlankung der Unternehmen unterstützen oder ist eine konsequent ablehnende Haltung begründbar und realistisch?