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21.06.2020 | Karin Kulow

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Die von China initiierte „neue Seidenstraße“ (Belt and Road Initiative) gilt als das derzeit weltweit größte Infrastruktur-Investitionsprogramm mit einem gravierenden Einfluss auf das internationale Wirtschaftsnetz und die Entwicklung der beteiligten Länder. Es handelt sich um die „Revitalisierung“ eines legendären Seidenstraßen-Karawanen-Netzwerkes von einer Gesamtlänge von etwa die 10.000 Kilometer, das über rund zwei Jahrtausende, von der Antike bis hinein ins Mittelalter, existierte und die heutige muslimische Nah- und Mittelostregion in direkter Linie mit China verbunden hat.

Im Unterschied zu den im Westen häufig vorgebrachten Einwänden gegenüber diesem Projekt ist es innerhalb der muslimisch geprägten Nah- und Mittelostregion von Anfang an auffällig positiv aufgenommen worden. Ungeachtet aller Unterschiedlichkeit in den jeweiligen politischen Machtverhältnissen wie sozio-ökonomischen Entwicklungsbedingungen stehen offenkundig für die betreffenden Staatsführer die mit diesem Infrastruktur-Projekt verbundenen Vorteile im Vordergrund.

Die vorliegende Arbeit der Nahostwissenschaftlerin Karin Kulow erläutert die Entwicklung und die erkennbaren sozio-ökonomischen Auswirkungen der Seidenstraße in den beteiligten Ländern dieser Region, die Bedeutung für China als Projektinitiator und die Auswirkungen auf die Entwicklung multi- lateraler Wirtschaftsbeziehungen und internationale Wertschöpfungsketten. Kritisch mit einbezogen wird die jeweils gegebene politische Situation in den beteiligten Ländern. Auch die ökologischen Aspekte der neuen Seidenstraße (die nicht Hauptgegenstand der Arbeit sind) sind, je nach verfügbaren Informationen und Daten, in die Erläuterungen eingeflossen.