spezial 33

21.06.2020 | Franz Garnreiter

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isw-spezial 33 beschreibt die Folgen der in Deutschland besonders gern gepflegten Ideologie der internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Ihr Bestreben ist es, die deutsche Exportwirtschaft, die deutschen Global Player sollten maximal erfolgreich und dominierend sein auf dem Weltmarkt. Ein zentraler Punkt ist die beständige Zementierung der überlegenen Konkurrenzkraft der deutschen Wirtschaft, was eine dauerhafte Verlagerung von Arbeitsplätzen und damit von Wirtschaftskraft aus schwächeren Ländern nach Deutschland erlaubt.

Beggar your neighbour: Diesen Begriff verwenden die Ökonomen für die Wirtschaftspolitik eines Landes, deren erstrangiges Ziel es ist, Exportüberschüsse zu erzielen, um auf diese Weise im Inland Einkommen und Beschäftigung zu erhöhen, und zwar gern auch zu Lasten des Auslands (erhöhte Arbeitslosigkeit dort durch Handelsdefizite und Verschuldung).

Die Welt befindet sich aktuell in einer besonderen Situation: einer durch das Coronavirus verschärften Krise, die tiefste Krise seit langem. In der Krise schrumpfen die Märkte, vor allem die Exportmärkte. Die Konkurrenz um die Marktanteile verschärft sich. Schwächere Ökonomien haben es folglich noch schwerer im Marktkampf gegen Stärkere. Ihre Exporte und Weltmarktanteile werden daher prozentual wohl noch stärker sinken als die Exporte der Starken. Mithin steht durchaus zu erwarten, dass Deutschland auf Dauer „besser durch die Krise kommt“, wie die Süddeutsche Zeitung erwartet. Kann also gut sein, dass die deutsche Exportwalze nach der Krise mit verdoppelter Kraft – relativ zu den anderen – weiter walzt.

Der Autor Franz Garnreiter (Diplom-Volkswirt und Mitarbeiter des isw) hinterfragt die Ideologie der Exportintensivierung und schafft mit detaillierten Berechnungen einen Überblick über die Beschäftigungswirkungen des Außenhandels und speziell des Handelsüberschusses in Deutschland.