spezial 6

0,00 

Reiche Industriestaaten und arme „Dritte Welt“
erscheint: Januar 1993
Umfang 33 Seiten
Kategorien: ,

Beschreibung

Als ich im Rahmen meiner Tätigkeit als Teamer in der Jugendbildungsarbeit bei der DPG den Auftrag bekam, ein Wochenendseminar zum Thema „Der Nord-Süd- Konflikt“ durchzuführen, hatte ich ganz allgemeine und unverbindliche Vorstellungen über dieses Problem.

Als ich die Vorbereitungen begann, mußte ich aber schnell feststellen, daß es mit meinem Wissen um diese Probleme nicht weit bestellt war. Je tiefer der Einblick ging, desto mehr faszinierte und erschreckte mich dieses Thema bis zu einer tiefen persönlichen Betroffenheit, wie sie heute bei mir vorhanden ist. Vor dem Hintergrund, daß es inzwischen – neben der Ökologie – eine Überlebensfrage der Menschheit (zumindest wesentlicher Teile) geworden ist, will ich die Thematik sehr viel mehr ins Bewußtsein bringen. Um dies qualifiziert zu tun, habe ich dieses Thema zu meinem speziellen „Hobby“ gemacht. Es war auch der Hintergrund, diese Abhandlung zu schreiben.

Bei meiner gewerkschaftlichen Arbeit hat – im Nachhinein betrachtet – internationale Arbeit lediglich in Form von Studienfahrten und Delegationen stattgefunden, die außerdem nur einem begrenzten Kreis (Hauptvorstandsebene) zugänglich waren. In der täglichen Arbeit dagegen spielte dieses Thema nie eine ernsthafte Rolle. Internationale Zusammenhänge und Strukturen waren keine Grundlage praktischen gewerkschaftlichen Handelns, allenfalls gab es „Appelle“ an den Staat oder andere. Probleme der internationalen Zusammenarbeit gab es scheinbar nur aufgrund der Übermacht der Konzerne. Eigentlich ist es traurig, wie wenig internationale Solidarität in der praktischen Arbeit der Gewerkschaften auftaucht. Obwohl sich die Gewerkschaften dieses Ziel ziemlich weit oben auf die Fahnen schreiben, ist es weit weg von jeder Realisierung. Deswegen ist es auch nicht weiter verwunderlich, daß der 12. Oktober 1992, also 500 Jahre „Entdeckung“ Amerikas, relativ spurlos an den Gewerkschaften vorbeiging. Mit meiner Arbeit hoffe ich, zur Problemaufbereitung und Diskussion beitragen zu können. Systemimmanente Schwierigkeiten machen es den Gewerkschaften schwer, das Motto „Teilen verbindet“ auch auf internationale Ebenen sowie ihre Mitglieder zu übertragen. Diese Arbeit wird darum auf Widerspruch und Kritik stoßen. Das soll sie auch, denn ein gemeinsamer, kritischer Dialog ist besser als ein zu einseitiges Betrachten der Ursachen von Armuts- und Reichtumsverteilung auf dieser Erde.

Inhalt

  1. Allgemeine Zusammenhänge der Interdependenz der Industrieländer mit der Welt
    1. Schuldenkrise und Schuldenfalle
    2. Verfall der ‚Terms of Trade“
    3. Protektionismus
    4. Wirtschaftswachstum und Energie
    5. Verteilungsspielräume durch Transfer von Nord nach Süd
    6. Nicht Verallgemeinerbarer Lebensstil der Industrienationen und erste Warnungen
  2. Problemaufriß der Gewerkschaften gegenüber den Mitgliedern und Funktionären
    1. Printmedien
    2. Mitgliederzeitungen (metall, Deutsche Post, Holzarbeiterzeitung)
    3. Funktionärszeitschriften (Der Gewerkschafter, Gewerkschaftliche Praxis)
    4. Kongreßbeschlüsse
    5. Positionen der Abteilungen Internationales
    6. IG Metall
    7. Postgewerkschaft
    8. Internationaler Zukunftskongreß der IGM
  3. Fallbeispiele zur abschließenden Betrachtung
    1. Automobilindustrie als Symbol des “Way of life” (IGM)
    2. Problemanalyse
    3. Gewerkschaftliche Thematisierung
    4. Telekommunikation und Weltmarkt (DPG)
    5. Problemanalyse
    6. Gewerkschaftliche Thematisierung
    7. Tropenholzdiskussion und -abkommen (GHK)
    8. Problemanalyse
    9. Gewerkschaftliche Thematisierung
  4. Versuch einer Wertung unter Betrachtung der Schwierigkeiten
    1. Entwicklungen im untersuchten Zeitraum
    2. Gewerkschaftsimmanente Schwierigkeiten der Betrachtung
    3. Gemeinsames Produktionsinteresse von Kapital und Arbeit
    4. Internationalismus und Betriebsgrenzen
  5. Handlungsansätze
    1. Ökologischer Umbau der Wirtschaft
    2. Demokratisierung ökonomischer Strukturen
    3. Gewerkschaften als „überbetriebliche Vernunft“
    4. Schaffung einer gesellschaftlichen Akzeptanz
    5. „Internationales Management“ der Probleme