Glyphosat – was wirklich droht

2013 | Chafer Machinery, Flickr | CC BY 2.0

Alle Welt spricht zurzeit über ein Pestizid: Glyphosat. Obwohl Glyphosat seit den 70er Jahren eingesetzt wird, sind bei uns noch keine großen gesundheitlichen Schäden bekannt geworden. Andere Pestizide aus dieser Zeit sind längst vom Markt verschwunden. Ist die Aufregung unnötig?

Wir dürfen nicht nur auf Europa schauen – das Glyphosatsystem ist global. Mit gentechnisch veränderten (GV) Pflanzen wie Soja und dem Kombipack Roundup Ready konnte Monsanto seinen Pestizidabsatz auch nach Ablauf des Patentschutzes sicherstellen. Beim ständigen Anbau ohne Pflug und der Unkrautbekämpfung nur mit Glyphosat werden Unkräuter resistent gegen das Agrargift. Die Aufwandmengen müssen immer weiter erhöht werden – bestens für die Hersteller! Als Ende der 90er Jahre herbizidresistentes Soja auf den Markt kam, musste die EU die Rückstandsgrenzwerte um 200% erhöhen, damit das Soja weiter importiert werden konnte. Nun will die EU unbemerkt von der Öffentlichkeit neue GV-Sojasorten mit Resistenzen gegen gleich drei Herbizide zulassen.

Der enorme Pestizideinsatz – um ein Vielfaches höher als in der EU – verursacht große Schäden. In den Anbaugebieten Argentiniens ist die Krebsrate verdreifacht und Fehlbildungen an Föten treten vier Mal häufiger auf als in anderen Regionen.

Glyphosat wird auch als Waffe eingesetzt. In den vergangenen Wochen wurden in Brasilien zwei Dörfer ehemaliger Landloser unter Polizeieinsatz mit Bulldozern, ihre Felder und Gärten – und damit ihre Ernährungsgrundlage – mit Glyphosat zerstört.

Abgesehen von einem Verbot der Anwendung hier, das tatsächlich die Gefahr des Einsatzes noch schädlicherer Mittel birgt, ist viel möglich und nötig: Ein sofortiges Verbot des Pestizids auf nicht-Agrarflächen wie Schienen, öffentlichen Plätzen und Privatgärten. Immer noch ist der Einsatz zur Ernteerleichterung erlaubt, obwohl hierdurch besonders hohe Rückstände in Lebensmitteln entstehen. Ein Teil des Artensterbens von Pflanzen, und damit auch von Insekten und anderen Tieren, geht aufs Konto dieses Totalherbizides.

Ob uns in Europa die Anwendung von Glyphosat gefährdet, ist genauso fraglich, wie die Bedrohung durch das TTIP-Chlorhühnchen. Aber wie das Chlorhühnchen die Debatte über Freihandelsabkommen förderte, hilft Glyphosat, die globale Agrarwirtschaft ins Interesse der Gesellschaft zu rücken.

Wichtig – wichtiger sogar als ein Verbot in der EU – ist die Herabsetzung der Grenzwerte. Das würde die Gentechnik-Importe unterbinden und dort wirken, wo Schäden an Umwelt, Gesundheit und Gesellschaft massiv auftreten: In den Anbaugebieten Südamerikas.

Außerdem sind wir alle gefragt: Kaufen wir nur noch tierische Produkte aus gentechnikfreier Fütterung! Das ist der schnellste Weg Glyphosat die rote Karte zu zeigen!

Ein Verbot nur der Anwendung bei uns, wäre ein wichtiges Zeichen der Solidarität mit den lateinamerikanischen Bäuerinnen und Bauern. Was wir aber wirklich brauchen, ist ein Wechsel: weg vom Glyphosatsystem der Konzerninteressen, hin zu einer Agrarpolitik für Mensch und Natur.

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