Militär und Krieg als Klimakiller Nummer eins

2017 | The National Guardhttps://www.flickr.com/photos/thenationalguard/, Flickr https://www.flickr.com/photos/thenationalguard/32809478903/ | https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/CC BY 2.0

2017 | The National Guard, Flickr | CC BY 2.0

Wenn wir von der sich anbahnenden Klimakatastrophe sprechen, sollten wir uns klar darüber sein, dass damit nur ein Teilaspekt des eigentlichen Problems angesprochen wird: es geht um eine umfassende Bio-Krise. Dazu gehört neben dem Klimawandel etwa das fortgesetzte Artensterben, die Vermüllung der Meere, die systematische Vergiftung unserer Nahrung, die Luftverschmutzung, der Schwund tropischer Regenwälder und die Überfischung der Meere. Dazu gehören auch die radioaktive Belastung der Atmosphäre durch die oberirdischen Atomwaffenversuche in den fünfziger Jahren oder die tausenden Tonnen radioaktiven Abfalls, den wir nachfolgenden Generationen über Jahrhunderte hinterlassen. Waffenproduktion und Kriege verbrauchen enorme materielle und finanzielle Ressourcen und fossile Treibstoffe.

Kriege waren immer auch Kriege gegen die Natur und Umwelt

Am deutlichsten wahrgenommen beim Atomwaffeneinsatz in Hiroshima und Nagasaki, oder im Vietnam-Krieg bei der Entlaubung des Dschungels (Agent Orange) und dem Napalm-Einsatz, bei weißem Phosphor im irakischen Falludscha oder der Uranmunition in Krieg gegen Jugoslawien. Zusammenfassend haben wir es mit einer Übernutzung der Natur zu tun.

Das Problem: Der Wachstumskapitalismus ignoriert, dass wir in einer Welt leben, deren Ressourcen endlich sind und unendliches Wachstum daher nicht möglich ist. Denn es gibt kein Wirtschaftswachstum ohne wachsenden Rohstoff- und Energieverbrauch. Die Natur ist weder in der Lage, unendlich Rohstoffe zur Produktion und Konsumption zu liefern, noch die Exkremente dieser Produktions- und Konsumptionsweise aufzunehmen. 

Rodung des Regenwaldes für Nespressokapseln

Ein Blick auf das Beispiel Abfälle: Stephan Lessenich beschreibt in seinem Buch „Neben uns die Sintflut – Die Externalisierungs-gesellschaft und ihr Preis“ einen Teil des Müllproblems; allein in Deutschland werden jährlich zwei Milliarden Nespresso-Kaffeekapseln verbraucht und anschießend weggeworfen. Weltweit verkauft Nestlé mindestens 8 Milliarden (!) Einheiten jährlich. Das ergibt einen Berg von 8 Millionen kg Aluabfall allein aus Kapselmüll von Nespresso in einem Jahr.

Dazu muss man wissen: Der Rohstoff für Alu ist Bauxit, das in vielen Ländern des Tropengürtels lagert. Brasilen ist der weltweit drittgrößte Bauxitproduzent der Welt. Dort wird Regenwald abgeholzt, u. a. um an die Bauxit-Abbaugebiete zu kommen.

Im Jahr 2018 sind im westlichen Amazonasgebiet zwei Hektar Wald pro Minute abgeholzt worden. Dieses Gebiet umfasst Teile von Kolumbien, Peru, Ecuador, Bolivien und Brasilien. Davon entfielen knapp die Hälfte (49 Prozent) auf Brasilien. Der Metropolenkapitalismus lebt davon, dass er die Kosten seiner Produktion und seine Abfälle externalisiert, ohne den wahren Preis dafür zu bezahlen. Zugleich werden die Kosten für die Umweltverschmutzung ausgelagert. Allein die USA haben im Jahr 2011 300.000 t Elektroschrott nach Asien geschafft.

Heute werden weltweit 300 Millionen Tonnen Plastik produziert. Auf einem Quadratkilometer Meeresoberfläche treiben bis zu 18.000 Plastikteile. 70% der Plastikabfälle sinken auf den Meeresboden, und der größte Müllstrudel im Nordpazifik hat die Größe Mitteleuropas[1]. Soziale Kosten und ökologische Folgelasten unserer Lebensweise werden also ausgelagert, externalisiert. Wir leben nicht über unsere Verhältnisse, sondern über die Verhältnisse anderer, schreibt Lessenich zurecht. Aber unter den „Anderen“ verstehe ich nicht nur die Länder des globalen Südens, wie Lessenich, sondern auch die Verhältnisse künftiger Generationen.

Imperiale Lebensweise

In diesem Sinne handelt es sich in den Ländern des Metropolenkapitalismus um eine „imperiale Lebensweise“[2]. Imperial ist die Lebensweise des globalen Nordens insofern, als sie einen unbegrenzten Zugriff auf Ressourcen und Arbeitsvermögen beansprucht und dies das Absenken des Lebensniveaus in anderen Ländern zur Folge hat.

Zurück zum Thema Klimawandel: dass der stattfindende Klimawandel anthropogene Ursachen hat, ist unstrittig. Auch die Folgen sind bekannt. Außer von Donald Trump und der AfD wird das von kaum jemanden bestritten. Der „Weltklimarat“ attestiert der Welt unter anderem einen Anstieg in Frequenz und Intensität von Hitzewellen, Veränderungen in Niederschlagsmustern (z. B. weniger aber heftigere Regenfälle), einen Anstieg des Meeresspiegels durch Abschmelzen der Gletscher und des Inlandeises und eine Versauerung der Ozeane mit nicht absehbaren Folgen auf Flora, Fauna und das gesamte Klimasystem.

Inzwischen sind die Folgen des Klimawandels auch hier zu spüren. Heute geht man davon aus, dass bei der Hitzewelle 2003 in Europa 70.000 Menschen an deren Folgen starben[3].

Es ist schon so, wie Karl Marx schreibt:

Je mehr ein Land (…) von der großen Industrie als dem Hintergrund seiner Entwicklung ausgeht, desto rascher dieser Zerstörungsprozess. Die kapitalistische Produktion entwickelt daher nur die Technik und Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, indem sie zugleich die Springquellen alles Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter.

Gleichzeitig werden mit den Klimaveränderungen auch sozio-ökonomische Probleme zunehmen.

Die Zahl der Klimaflüchtlinge wird drastisch steigen

Im Jahr 2017 waren nach Angaben des UNO-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) 68,5 Millionen Menschen auf der Flucht. In dieser Zahl 68,5 Mill. Flüchtlinge, die von UNHCR registriert werden, sind jene 20 Mill. Klimaflüchtlinge nicht mitgerechnet, die nicht unter die Kriterien der Genfer Flüchtlings-konvention fallen. Der EU-Kommissar für Migration Dimitris Avramopoulos geht davon aus, dass seit dem Jahr 2000 etwa 35.000 Menschen auf der Flucht an den europäischen Außengrenzen ums Leben kamen. Antonio Guterres, ehemalige UN-Flüchtlingskommissar und jetziger Generalsekretär der UNO: „Klimawandel wird in naher Zukunft die bedeutendste Fluchtursache sein…“[4]

Da der Klimawandel Extremwetter-Ereignisse wie Dürren und Überschwemmungen verschärft, könnten in den nächsten Jahren noch mehr Menschen entwurzelt werden. Die genaue Zahl ist sehr schwer vorauszusagen, Schätzungen reichen von 50 Millionen bis 200 Millionen Klimaflüchtlinge im Jahr 2050. Das Thema Klimaflüchtlinge weist auf eine doppelte Ungerechtigkeit hin: während die Ärmsten dieser Welt, die an der Klimaerwärmung unschuldig sind, als Erste die Folgen der Klimaerwärmung zu spüren bekommen, verleugnen die reichen Industriestaaten als Hauptverursacher dieser Klimaerwärmung die Existenz von Klimaflüchtlingen und schotten sich gegen Flüchtlinge ab.

Naomi Klein schreibt in ihrem Buch „Klima vs. Kapitalismus“: „Die Fluchtbewegungen, die wir heute erleben, sind nur der Anfang einer Tragödie (…). Prognosen gehen davon aus, dass bei einer globalen Erwärmung von 4 Grad die Meeresspiegel um einen bis zwei Meter steigen werden. Etwa 30 der am wenigsten entwickelten Länder werden in diesen Jahren zerfallen.“ Und sie schlussfolgert: „…Der Klimawandel ist ein Weckruf für die Zivilisation – eine machtvolle Botschaft – Und diese Botschaft wird überbracht in der Sprache von Feuern, Überschwemmungen, Dürren und Artensterben…“

Der ehemalige Vizepräsident der Weltbank, Nicolas Stern schreibt in seinem Umweltreport: „Auch bei einer Erderwärmung um nur 2°C ist allein in Afrika mit 40 bis 60 Millionen Klimaopfern zu rechnen. Dies wird von den Verantwortlichen billigend in Kauf genommen.

Sterns Fazit: „Der Klimawandel ist das größte Marktversagen, das es je gegeben hat.“ Derzeit deutet nichts darauf hin, dass das Ziel, weniger als 2 Grad Erderwärmung, erreicht werden kann. Im Oktober 2018 befasste sich der Weltklimarat (IPCC) mit einem Sonderbericht zum Stand der Umsetzung des Pariser Klimaabkommens und stellte fest, dass wir uns global auf dem Weg zu 4°C globaler Erwärmung befinden[5].

Jugendliche schlagen Alarm

Im Mai 2019 stellten Vertreter*innen der Schüler Fridays for Future ihre Forderungen in den Mittelpunkt einer Pressekonferenz. Ihr Kernsatz:

Die Klimakrise stellt für die Stabilität der Ökosysteme unseres Planeten und für Millionen von Menschen eine existenzielle Bedrohung dar. Eine ungebremste Erderwärmung ist eine enorme Gefahr für Frieden und Wohlstand weltweit.

Damit wird klar: Die Klimakrise ist eng verbunden mit anderen Krisenerscheinungen, mit Armut, Hunger und Flucht, Nationalismus und Rechtsentwicklung bis hin zu Gewaltkonflikten, neuer Aufrüstung und Kriegen. Dies wird auch bestätigt in einem Bericht des Weltklimarats.

Dieser beschreibt nicht nur die klimatischen Folgen des Klimawandels, dem IPCC-Report ist auch zu entnehmen, dass die Erderwärmung ebenso verheerende Auswirkungen sozialer und politischer Art mit sich bringen werde, darunter wirtschaftlichen Niedergang, Staatszerfall, bürgerkriegsartige Zustände, massive Migrationsbewegungen und früher oder später Ressourcenkriege. Gesellschaften werden unter dem Druck wirtschaftlichen Niedergangs und massiver Flüchtlingsströme zu zerfallen beginnen.

Es wird immer deutlicher: das kapitalistische Produktions- und Konsumtionssystem ist eine Kriegserklärung an Menschen und Natur. Und wenn wir so weitermachen, wird die Natur inklusive Menschheit diesen Krieg verlieren. Es ist ein scheinbar unlösbarer Konflikt: Was unser Klima braucht, um nicht zu kollabieren, ist eine drastische Reduzierung des Ressourcenverbrauchs (das weiß man seit Club of Rome, 1972). Was das kapitalistische Wirtschaftssystem braucht, um nicht zu kollabieren, ist schrankenloses Wachstum und Expansion der Produktion und damit des Ressourcenverbrauchs. Aber nur eines dieser Regelsysteme lässt sich verändern. Und das sind nicht die Naturgesetze[6].

Es ist wohl so, wie Elmar Altvater schreibt, dass selbst unter der Drohung der Klimakatastrophe eher die Existenz des Planeten in Frage gestellt wird, als die des kapitalistischen Wirtschaftssystems. Warum handelt „die Politik“ nicht? Weil Politiker das Problem in ihrer Tragweite nicht erkennen oder verstehen? Oder weil mächtige Wirtschaftsinteressen dagegenstehen? Letzteres scheint wohl der Fall zu sein.

Im globalen Kapitalismus dominieren die Unternehmen, für die Natur und Menschen in erster Linie rücksichtslos auszubeutende Faktoren sind. Unter den hundert größten Unternehmen weltweit, sind 21 Ölkonzerne, 10 Autofirmen, 4 Raumfahrt und Waffenunternehmen und 17 Banken. Sie bestimmen weitgehend die politische Agenda, national wie international. Wenn wir überleben wollen, müssen wir die Produktions- und Lebensweise verändern, die Macht dieser Konzerne zurückdrängen, um an die Stelle des Profitdiktats die Bedürfnisse der Menschen und der Natur zu stellen.

Militär und Klima

Ein wenig beachteter Zusammenhang in der aktuellen Debatte um Klimaschutz ist die Bedeutung von Militär und Kriegseinsätzen, von deren Folgen für das Klima, und den folgenden Klimakriegen. Weil wir den Weg der Klimazerstörung weiterverfolgen, bekommen wir schon heute militärische Antworten auf den Klimawandel: Militärische Abschottung (zunächst noch) sicherer Zufluchtsorte, also militärische Abwehr der zu erwartenden Flüchtlingsströme, Kriege um Wasser und Rohstoffe, um strategische Positionen, oder um die Sicherung von Handelswegen.

Das untersucht Markus Pflüger in einem IMI-Standpunkt. Darin heißt es, die Armeen weltweit verursachen enorme Mengen an klimaschädlichen Emissionen, indem sie mit Rüstungsproduktion und Rüstungsexport Kriege vorbereiten, bei Manövern und schließlich im Einsatz selbst, aber auch bei anschließenden Besatzungen. Krieg und Militär gehören zu den größten Verbrauchern von Energie und anderen Ressourcen und verschlingen weltweit 1,8 Billionen Dollar an Rüstungsausgaben.

So ist der Treibstoff-Verbrauch beispielsweise von Kriegsflugzeugen und Kriegsschiffen enorm, entsprechend hoch sind auch die Emissionen. Ein Eurofighter verbraucht ca. 70-100 Liter Kerosin pro Minute. Allein auf der Base Ramstein finden jährlich 30.000 Starts und Landungen statt. Dabei werden 1,35 Milliarden m³ klimaschädliche Abgase freigesetzt. Der fliegende Großraumtransporter Galaxy verbraucht bei einem Start 3.500 Liter Treibstoff.

Das US-Militär – einer der größten Klimasünder in der Welt

Das US-Verteidigungsministerium ist mit einem Anteil von 77 bis 80 Prozent am gesamten Energieverbrauch der US-Regierung der größte Verbraucher fossiler Brennstoffe.

Am 26. Juni 2019 schreibt Andreas Krebs in Telepolis: „Das US-Militär ist einer der größten Klimasünder in der Geschichte, es verbraucht mehr flüssige Kraftstoffe und emittiert mehr Kohlenstoff als die meisten Länder. Das Pentagon kann als weltweit größter Endverbraucher fossiler Brennstoffe angesehen werden.

Interessant ist, dass die militärischen Emissionen bewusst, sowohl aus dem Kyoto Protokoll und den anderen UN-Klimadokumenten einschließlich der Charta von Paris auf Druck der NATO-Staaten, ausgeklammert wurden.

Der US-Friedensaktivist Barry Sanders schreibt: „…der jährliche CO² Ausstoß des US-Militärs beträgt 73 Mill Tonnen CO², die den übrigen Mengen der Treibhausgasemissionen der USA hinzugerechnet werden müssen.“[7]

Auch der Einsatz chemischer Kampfstoffe schädigt Menschen und Umwelt gleichermaßen. In seinem Buch weist Sanders auch darauf hin, dass nach dem Napalm-Einsatz der USA in Vietnam dieser Kampfstoff zwar von der UNO geächtet ist, jedoch haben die USA diese Konvention nie unterzeichnet.

Stattdessen setzten sie in der irakischen Stadt Falludscha statt Napalm weißen Phosphor gegen die Zivilbevölkerung ein, ein Luftschadstoff, der ganze Regionen auf Jahrzehnte unbewohnbar macht. Es geht aber auch um die Folgen z.B. des Einsatzes von Uranmunition wie im Irak oder im Krieg gegen Jugoslawien. Da das in dieser Munition enthaltene angereicherte Uran eine Halbwertzeit von 4,7 Milliarden Jahren hat, werden irreparable Umweltlasten für die Ewigkeit verursacht. Mehr als 1000 Tonnen dieser Munition wurden von den USA im Irakkrieg eingesetzt.

Atomwaffen als tickende Zeitbomben

ICAN (Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen – (bekam den Friedensnobelpreis) schätzt, dass seit Beginn des atomaren Zeitalters im Juli 1945 über 2000 Atomwaffentests durchgeführt wurden. Oberirdisch, unterirdisch und unter Wasser. Diese Tests haben inzwischen die gesamte Weltbevölkerung verstrahlt. Die oberirdischen Atomwaffentests seit 1945 hatten eine Sprengkraft von 29.000 Hiroshimabomben. IPPNW (Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs) schätzt, dass an den Folgen oberirdischer Atomwaffentests 2,4 Millionen Menschen gestorben sind. Kriegsschiffe wie Flugzeugträger und Atom-U-Boote sind schon in „Friedenszeiten“ schwimmende Zeitbomben. Würden sie in militärische Konflikte involviert, hätte das unabsehbare Folgen für Menschen und Natur.

Ein weiteres Problem kommt hinzu: Noch immer stellen Munition, Bomben, Granaten, Minen, Torpedos und chemische Kampfstoffe aus dem zweiten Weltkrieg eine tödliche Gefahr dar. Man schätzt, dass noch immer 1,6 Millionen Tonnen davon auf dem Grund von Nord- und Ostsee liegen. Die metallischen Hüllen dieser Kampfstoffe sind heute teilweise durchgerostet. Geraten diese Substanzen ins Meereswasser, ist es kaum möglich, sie unschädlich zu machen.

Das Verhältnis Militär: Umweltbelastung: Klimawandel: Klimakriege stellt einen Teufelskreis dar. „Aufgrund knapper werdender Ressourcen muss sich die Welt in Zukunft auf Rohstoff-Kriege einstellen“, heißt es in einer Studie der Transatlantic Academy zur Ressourcen-Knappheit aus dem Jahr 2012. Rohstoffe seien häufig nicht die einzige, aber eine entscheidende Ursache von Konflikten. 20% der Weltbevölkerung verbrauchen heute 80% der globalen Ressourcen und verursachen 80% der weltweiten Abfallmenge. Um diesen Zustand aufrecht zu erhalten werden Kriege geführt. Mit katastrophalen Folgen für Mensch, Klima und Umwelt.

Fazit & Alternativen

  1. Klimaschutz braucht Abrüstung!Damit würden die materiellen und finanziellen Mittel frei für eine sozialverträgliche Rüstungskonversion, und damit verbunden ergäbe sich eine Reduktion des CO² Ausstoßes. Mit einem Bruchteil der 1,8 Billionen Dollar weltweiter Rüstungsausgaben könnte nicht nur Hunger und Unterentwicklung weltweit beseitigt werden. Mit dem Aufbau regenerativer Energiesysteme in Entwicklungsländern könnte ein Teil der Klimaschulden der kapitalistischen Metropolen gegenüber diesen Ländern beglichen werden. Mittel würden frei für die Erforschung und Entwicklung von Umwelttechnologien; klimafreundliche Massenverkehrssysteme für eine sozialökologische Transformation.

    Rüstung und Krieg ruinieren aber nicht nur das meteorologische, sondern auch das politische Klima. Denn Nationalismus, Rassismus und Chauvinismus dienen immer der Legitimierung von Rüstung und Krieg.
    Konversion, also die Umwandlung militärischer in zivile Produktion und Nutzung ist sowohl ein wichtiger Ansatz für eine sozial-ökologische Transformation, als auch ein Beitrag gegen Nationalismus und Rassismus. Sozial-ökologische Transformation hat eine Gesellschaftsordnung zum Ziel, in der die Bedürfnisse der Menschen und der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen an die Stelle einer kannibalischen, auf Profit ausgerichteten und klimaruinierenden Produktionsweise treten.
  2. Statt einer imperialen Produktions- und Lebensweise braucht es globale Klimagerechtigkeit.Die Klimaschulden der kapitalistischen Metropolen gegenüber dem globalen Süden müssen beglichen werden. Das bedeutet auch eine globale Umverteilung des Reichtums zugunsten der Regionen, die zuvorderst Opfer eines Klimawandels werden, der wesentlich durch die imperiale Lebensweise im globalen Norden verursacht wird.
  3. Es braucht eine aktionsorientierte Zusammenarbeit von Friedens- und Umweltbewegung, von Gewerkschaften, Kirchen und unterschiedlichen sozialen Bewegungen.Bei dieser Zusammenarbeit muss es auch um die Vermittlung von Einsichten gehen, dass die Biokatastrophe nicht der Unvernunft und Gier „der Menschen“ entspringt, sondern der kapitalistischen Produktionsweise.

„Die Lösung der ökologischen Probleme ist nicht möglich ohne Klassenkampf und ohne die Befreiung der Menschen vom Kapitalismus – und umgekehrt, ist die Befreiung der Menschen, die Lösung der sozialen Fragen nicht möglich ohne den Kampf für eine ökologische Zukunft.“[8]

Diese ökologische Zukunft reklamiert Karl Marx, wenn er schreibt:

… eine ganze Gesellschaft, eine Nation, ja selbst alle gleichzeitigen Gesellschaften zusammengenommen, sind nicht Eigentümer der Erde. Sie sind nur Besitzer, ihre Nutznießer und haben sie als Boni Patres Familias (Gute Familienväter) den nachfolgenden Generationen verbessert zu hinterlassen…

Daran müssen wir arbeiten!


[1] Stephan Lessenich (2016): Neben uns die Sintflut: Die Externalisierungsgesellschaft und ihr Preis
[2] Markus Wissen und Ulrich Brand (2017): Imperiale Lebensweise
[3] Anette Schlemm (2019): Klima-Umbruch: Das ändert alles. in: Marxistische Blätter 02/2019, S. 56-65
[4] ebd.
[5] Wolfgang Reinicke-Abel (2019): XXX. in: Marxistische Blätter XX/2019, S. XX-XX
[6] Naomi Klein (2014): Die Entscheidung: Kapitalismus vs. Klima
[7] Barry Sanders (2009): The Green Zone: The Environmental Costs of Militarism
[8] Helmut Selinger (2019): Marx, Engels und Ökologie. in: Marxistische Blätter 02/2019, S. 35-47