Pandemien: Korrumpierte Wissenschaft. Johns Hopkins University und ihr Global Health Security Index

2020 | Dennis Sylvester Hurdhttps://www.flickr.com/photos/dennissylvesterhurd/, Flickr https://flic.kr/p/2iGxVRM| https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/CC BY 2.0

2020 | Dennis Sylvester Hurd, Flickr | CC BY 2.0

Die Johns Hopkins University (JHU) ist bei Pandemien, wie auch jetzt beim Corona-Virus Covid-19, die meistzitierte wissenschaftliche Quelle. Nach eigenen Angaben wird die Website mit den Covid-19-Daten täglich über eine Milliarde Mal aufgesucht. Und die Universität in Baltimore/USA erstellt auch den Global Health Security Index: Er vergleicht die Gesundheitssysteme der 195 UNO-Mitgliedsstaaten danach, wie gut oder schlecht sie auf Pandemien vorbereitet sind.

Die Milliardäre: Rockefeller, Bloomberg, Gates & Co.

Die JHU nimmt für sich in Anspruch, bei der Gesundheitswissenschaft weltweit führend zu sein. Dazu werden 9 Fakultäten mit 30 Instituten betrieben. 35 Nobel-Preise landeten hier. Die private Elite-Universität wird von Superreichen finanziert, bekommt Regierungsaufträge, der Geheimdienst CIA hält hier Rekrutierungs-Events ab, die auf der JHU-website angekündigt werden.

Die jetzige JH School of Public Health, 1916 von der Rockefeller-Stiftung finanziert, wurde 2001 zur JH Bloomberg School of Public Health umbenannt: Der Wall Street-Banker Michael Bloomberg ist nun der Hauptfinanzier. Als Bürgermeister von New York privatisierte er auch das Gesundheitssystem: New York erweist sich jetzt weltweit als das Todeszentrum beim Corona-Virus. 

Neben Bloomberg ist die Stiftung des Microsoft-Gründers William Gates der größte Sponsor der JHU auf dem Gebiet der Gesundheit. Die Bill&Melinda Gates Foundation (BMGF), die größte Unternehmensstiftung der Erde, subventioniert seit 1999 an der JHU das Bill&Melinda Gates Institute for Population and Reproductive Health und spendet für weitere Institute.

18. Oktober 2019: Corona-Virus-Szenario „Event201“

Am 18. Oktober 2019 organisierte das JHU-Center for Health Security in New York das dreieinhalbstündige Planspiel Event201. Mitveranstalter waren die Gates-Stiftung, das World Economic Forum sowie US-Pharma- und Medienkonzerne.

Die Ausgangslage: Ein neues, SARS-ähnliches Corona-Virus, aber aggressiver, breitet sich von Schweinefarmen in Brasilien in südamerikanische Großstädte aus, gelangt durch Flugreisende in die USA und nach China und von dort in die ganze Welt. Die Infizierten und Toten verdoppeln sich zunächst jede Woche, die wirtschaftlichen und sozialen Folgen werden immer heftiger. Ende des Szenarios: Nach 18 Monaten hat die Pandemie 65 Millionen Tote erfordert. Entweder ist nun ein Medikament gefunden oder 80 bis 90 Prozent der Erdbevölkerung werden noch mit dem Virus exponiert.

Das Planspiel mit einem neuen Corona-Virus fand im Oktober 2019 statt. Zwei Monate später brach in der chinesischen Millionenstadt Wuhan die Covid-19-Epidemie aus. Aber weder die USA noch die EU bereiteten sich vor.

Private Globalsteuerung der Gesundheit

Die JHU-Institute sind nach Gates, Bloomberg & Co für das Management des globalen privaten Gesundheitsbetriebs nicht ausreichend. Die Gates-Stiftung ist mit der US-Regierung zwar der größte Finanzier der Weltgesundheitsorganisation WHO, aber die hängt noch zu sehr an der UNO. Deshalb bauen JHU und Gates-Stiftung weitere Organisationen auf:

  • GAVI: Gates gründete mit Pharma-Stiftungen 1999 die Global Alliance for Vaccines and Immunization (GAVI). WHO, Weltbank, UNICEF machen mit. GAVI koordiniert die Entwicklung von Impfstoffen. Die deutsche Regierungschefin Angela Merkel sagte beim G7-Treffen eine Zahlung von 600 Millionen Euro zu. Chef seit 2011 ist Seth Berkley, Harvard-Absolvent, der zunächst in der US-Gesundheitsbehörde CDC arbeitete und dann acht Jahre in der Rockefeller-Stiftung die Health Sciences Division leitete. Er ist Mitglied im Council on Foreign Relations und im Aufsichtsrat des Pharmakonzerns Gilead.
  • CEPI: Die Coalition for Epidemic Preparedness Innovation (CEPI) finanziert und koordiniert seit 2017 die Entwicklung von Impfstoffen. Mit jeweils 100 Millionen Dollar waren die Gates-Stiftung und der Wellcome Trust (hervorgegangen aus dem Pharmakonzern GlaxoSmithKline) die Initiatoren. Die Regierungen Japans, Norwegens, Großbritanniens, Deutschlands und die EU sind weitere Sponsoren. Chef ist Richard Hatchett: Er leitete im Homeland Security Council unter George W. Bush die Abteilung für Biodefense Policy. (Nach dem Terror-Anschlag auf das World Trade Center im September 2001 beschloss der US-Kongress mit dem Model State Emergency Health Power Act vom 21.12.2001 im Falle von „public health“-Notlagen auch Maßnahmen gegen „ansteckende Krankheiten“ und „Epidemien“.) CEPI verteilt jetzt Forschungsgelder für die Entwicklung von Impfstoffen gegen Covid-19 an etwa 40 Pharma- und Biotech-Unternehmen, auch an zwei in Deutschland, Curevac und Biontech, an denen Gates beteiligt ist.
  • Welt-Wirtschafts-Forum (WEF): Diese jährlich in Davos tagende, informelle Versammlung von Konzern-, Banken-, Staats- und Medienchefs, geleitet vom Harvard-Absolventen Klaus Schwab, ist inzwischen Mitorganisator des globalen Gesundheits-Managements. 2017 wurde in Davos CEPI mit großem Auftritt von Gates gegründet. WEF war Mitveranstalter von Event201.

Epidemien-Fanatiker Gates: Aktivist von „America First“

Seit der Gründung von GAVI 1999 prophezeit Gates das baldige und häufige Kommen von Pandemien mit Millionen von Toten, so wie bei Event201 65 Millionen Tote angenommen wurden.

Für diese Spekulation leugnet der Fanatiker den Hunger, der täglich ungleich mehr Menschen vom Babyalter an krank macht und auch dahinrafft, und er leugnet die von den USA geführten Kriege. „Während meiner Kindheit war ein Atomkrieg die Katastrophe, vor der wir die meiste Angst hatten. Heute sieht das Risiko einer globalen Katastrophe anders aus. Es sind keine Raketen mehr, es sind Mikroben“, so der Philantrop – während der präventive Ersteinsatz von Atombomben seit Präsident Obama – dessen Wahlkämpfe Gates mitfinanzierte – wieder offizielle US-Militärdoktrin ist.

Microsoft unter Gates‘ Leitung nutzt von Anfang an die Ausbeutung rechtloser und auch illegalisierter Niedrigstlöhner, zunächst in Silicon Valley selbst, dann etwa bis heute in den Arbeitskasernen des taiwanesischen Organisators von Niedrigstlöhnerei, Foxconn, in China.[1]

Mit Microsoft-Software in staatlichen Verwaltungen, Unternehmen und Militär ist die EU eine Microsoft-Kolonie. Gleichzeitig ist Microsoft der aktuell größte Auftragnehmer des Pentagon: Für dessen letztes Künstliche Intelligenz-Projekt gewann Microsoft 2019 die Ausschreibung – 10 Mrd. Dollar für 10 Jahre.

Pandemien: „USA am besten gerüstet“

Zur Bloomberg School of Public Health gehört auch das Johns Hopkins Center for Health Security. Es erstellt den Global Health Security Index. Er bewertet die Qualität der Gesundheitssysteme der 195 UNO-Mitgliedsstaaten: Wie gut sind sie vorbereitet, um Epidemien erfolgreich zu bekämpfen?

Beim Erstellen wird die JHU unterstützt von der Gates-Stiftung, der Robertson-Stiftung des New Yorker Hedgefonds-Managers Julian Robertson (Tiger Management), vom Open Philantropy Project des Facebook-Mitgründers Dustin Moskovitz („der jüngste Milliardär aller Zeiten“), von der Economist Intelligence Unit (gehört zur Zeitschrift The Economist, berät Unternehmen bei der globalen Suche nach dem günstigsten Standort für Auslagerungen und Dienstleistungen) und der Nuclear Threat Initiative, gegründet von Ted Turner/CNN und Senator Sam Nunn (Ex-Vorsitzender des Streitkräftekomittees im Kongress).

Ergebnis des aktuellen Index 2019: Im Durchschnitt sind die Gesundheitssysteme „sehr schlecht“ vorbereitet, mit 40,2 von 100 möglichen Punkten. 75 Prozent der Gesundheitssysteme, vor allem der Entwicklungsländer, sind in einem „katastrophalen“ Zustand.

Aber welches Gesundheitssystem ist am besten vorbereitet, steht auf Platz 1? Es sind die USA. An zweiter Stelle steht das von New Labour und den Tories durchprivatisierte Gesundheitssystem Großbritanniens. Übrigens: Die Volksrepublik China steht an 51. Stelle. Präsident Trump berief sich bei seinem Zögern im Falle des Corona-Virus auf den Global Health Security Index: Ihn hielt er im Weißen Haus der versammelten Weltpresse vor. „Johns Hopkins, glaube ich, ist eine hoch respektierte, große Institution“, lobte er.

Korrumpierte Wissenschaft

Das teuerste und asozialste Gesundheitssystem der Welt, das einen großen Teil der Bevölkerung ausschließt, sie früh sterben lässt und sich beim Corona-Virus als das tödlichste erweist: Dieses Gesundheitssystem wird von der führenden wissenschaftlichen Autorität in Sachen Gesundheit und Pandemien zum sichersten erklärt. Covid-19 entlarvt den Global Health Security Index „als Lüge“, so die renommierte medizinische Fachzeitschrift The Lancet.


[1]Werner Rügemer (2018): Die Kapitalisten des 21. Jahrhunderts: Gemeinverständlicher Abriss zum Aufstieg der neuen Finanzakteure, S. 278ff.