Zum Artikel: Baerbock & Co. gegen Gazprom und Putin – Konfrontation um jeden Preis gesucht, vom 19. Oktober 2021

Mehrere Leser haben uns dankenswerterweise auf einen Fehler in der Speichergrafik aufmerksam gemacht. Die Daten in dieser Grafik kommen aus einer Speicherstatistik, die seit 2011 von den Speicherbetreibern zusammengetragen wird (Aggregated Gas Storage Inventory AGSI). Aus diesen Daten habe ich einen starken Ausbau von Speichern bis 2016 abgelesen und gefolgert, dass bei ganz grob in etwa gleichbleibendem Gasverbrauch große Überschuss-Kapazitäten in den Speichern entstanden sind. Kapazitäten, die nicht nur für die Wintervorsorge eingerichtet wurden, sondern zur Kostenminimierung beim Bezug bzw. zur Renditeoptimierung (im Einzelnen zu solchen Maßnahmen siehe den obigen Text). Tatsächlich aber gab es diesen Aufbau laut der amtlichen Statistik für Speicher (Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie LBEG) nicht, sondern die Daten in der AGSI-Statistik sind vor April 2016 schlicht unvollständig, sie erfassen nicht alle Speicher. Damit ist diese Begründung für die These überschüssiger Kapazitäten hinfällig.

Allerdings ist diese These auch aus den Details der Daten ab dem Winter 2016/17 begründbar, siehe die folgende Tabelle, die die Ausspeicherung und die Kälteintensität in den letzten Jahren einander gegenüber stellt.

Winter Speicher-Füllstand am 1. 10. TWh Oktober bis Januar Februar bis Speichertiefststand
Ausspeicherung TWh GTZ Ausspeicherung TWh GTZ Febr-April Tiefststand erreicht am
2021/22 163,2 75,7 1423
2020/21 226,1 119,2 1373 47,0 965 19.4.2021
2019/20 233,3 28,9 1302 33,9 711 31.3.2020
2018/19 194,8 43,4 1342 21,4 799 21.3.2019
2017/18 206,4 77,3 1271 93,3 947 2.4.2018
2016/17 230,4 132,1 1647 32,1 797 15.3.2017
TWh = Mrd. kWh; 1 m³ enthält etwa 10 kWh Energie
GTZ = Gradtagzahl. Definition: 20 °C Raumtemperatur minus Tagesmitteltemperatur, summiert über einen Zeitraum (Monat, Winter, …). Je höher der Wert, desto kälter dieser Zeitraum.
Quelle: AGSI-Statistik

Nach diesen Daten haben wir im laufenden Winter 2021/22 von Oktober bis Januar sehr viel weniger ausgespeichert als letztes Jahr, obwohl es heuer kälter war (rot markierte und gefettete Werte). Und wenn man den Restzeitraum betrachtet bis April, dann wurde letztes Jahr 2021 ziemlich wenig ausgespeichert, etwa die Hälfte dessen, was bei in etwa gleich starker Kälte in 2018 gebraucht wurde. Offensichtlich wirken auf den Ausspeicherungsbedarf außer der Kälte noch weitere wesentliche, einflussreiche Faktoren.

Reichen die Speicher in Deutschland nun für den Restwinter? Zum 1. Februar 2022 betrug der Gasvorrat noch 87,5 TWh. Mehr als 50 TWh wurden für die Restwinterzeit ab 1. Februar nie benötigt außer im Extremjahr 2018, dessen Ausspeicherungsbedarf durch die Kälte allein nicht erklärt werden kann. Meist lag der Restbedarf noch deutlich niedriger, weswegen man dem Frühjahr ziemlich unbesorgt entgegen sehen kann, trotz eines anfänglichen Bestandes von nur 71 % des maximal möglichen Speichergasvorrates. Das Magazin Focus schreibt, dass “Experten es für äußerst unwahrscheinlich [halten], dass uns in diesem Winter das Gas ausgehen wird“.