Chinas „Grüne Mauer“ (Three-North Shelterbelt Development Program) ist das weltweit größte Aufforstungsprojekt und zielt seit 1978 darauf ab, die fortschreitende Verwüstung im Norden des Landes zu stoppen und landwirtschaftliche sowie bewohnbare Flächen zu sichern. „Drei Norden“ (Three-North Shelterbelt) bezieht sich auf den Nordosten, Norden und Nordwesten Chinas – die Gebiete, die am stärksten von Wüstenbildung bedroht sind, Gebiete, die aber aufgrund der Bevölkerungszahl bewohnbar bleiben müssen.
„Große grüne Mauer“
Das Projekt spielt eine Schlüsselrolle für die Erreichung der chinesischen Klimaziele, da es gleich auf mehreren Ebenen ansetzt: Neben dem geplanten Stopp der Wüstenbildung wird CO₂ gebunden und gleichzeitig entsteht ein großes klimafreundliches Potential für die spätere Stromerzeugung.
Bis zum geplanten Abschluss im Jahr 2050 soll ein schützender Grüngürtel von über 4.500 Kilometern Länge entstehen, der 14 Provinzen durchzieht und rund 400.000 km² umfasst. Das entspricht mehr als der Fläche Deutschlands.
Im Juli 2025 ist in der inneren Mongolei, einer nördlichen Region Chinas, als Bestandteil des Gesamt-Projektes ein grüner Sandschutzgürtel fertiggestellt worden als Voraussetzung für die Wiederaufforstung, der sich über drei Wüsten erstreckt und einen weiteren Meilenstein bei der Schaffung der besagten grünen Mauer in der trockenen nördlichen Region darstellt.
Damit ist ein 1.856 km langer grüner Gürtel fertiggestellt. Die einbezogenen drei Wüsten, im westlichsten Teil der Inneren Mongolei liegend, umfassen eine Gesamtfläche von 94.700 km², das entspricht in etwa 83 % der gesamten Wüstenfläche der Inneren Mongolei.
Zur Sandstabilisierung und Eindämmung der Wüstenbildung wird eine in China weit verbreitete Methode, die Strohkaromuster eingesetzt: Bündel aus Stroh werden in quadratischen Feldern (Karos, etwa 1 x 1 Meter groß) auf der Oberfläche der Sanddünen verlegt und teilweise in den Sand eingegraben. Diese Strohkaros (siehe Bild unten) bilden ein Schachbrett auf dem Sand, wodurch der Wind abgebremst und der Sand stabilisiert wird. So wird verhindert, dass der Sand weiter verweht und die Dünen „wandern“. Insbesondere entlang von Straßen, Eisenbahnen und an besonders gefährdeten Stellen wird dieses Verfahren angewendet, um Infrastruktur zu schützen, aber auch, um die Grundlage für nachfolgende Maßnahmen wie Bepflanzungen zu schaffen. Aus Messungen geht hervor, dass die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge dort weniger als 200 mm ausmacht, während die Verdunstung mit über 3.000 mm etwa 15-mal so hoch ist und damit die Wüstenbildung vorantreibt.
Anlegen von Strohkaros, Voraussetzung für die Bepflanzung mit widerstandsfähigen Sträuchern wie Saxaul.
Das jetzt abgeschlossene Teilprojekt im westlichen Teil der inneren Mongolei zur Verbindung der bestehenden Gürtel über die drei Wüsten wurde im Februar gestartet.
Das Projekt ist die jüngste Phase der jahrzehntelangen Bemühungen Chinas, die Wüstenbildung in seinen trockenen nördlichen Regionen durch Sandbekämpfungsmaßnahmen und Wiederaufforstung aufzuhalten.
Das Programm
Das Programm „Grüne Mauer“ begann 1978 als Reaktion auf schwere ökonomische, ökologische und soziale Folgen der Desertifikation, d.h. die fortschreitende Verschlechterung von Land in trockenen Gebieten aufzuhalten, die durch menschliche Aktivitäten und den Klimawandel verursacht wird. Desertifikation führt zum Verlust von Vegetation, Bodenerosion und Verlust landwirtschaftlicher Flächen durch Verringerung der Bodenfruchtbarkeit, was die Lebensgrundlage vieler Menschen gefährdet. Hinzu kommen häufige und zerstörerische Sandstürme, die nach wie vor bis in die Hauptstadt Beijing reichen.
Der Projektplan sieht vor, bis 2050 entlang einer Linie, die teilweise dem Verlauf der Großen Mauer entspricht, einen Schutzwald von insgesamt etwa 35 Millionen Hektar zu etablieren. Das entspricht einer Fläche von mehr als 40% der chinesischen Staatsfläche und 13 Provinzen umfasst.
Von 1978 bis heute wurden in dem Gürtel mehr als 60 Milliarden Bäume gepflanzt.
Die konkreten Ziele des Gesamtprojektes:
- Erhöhung der Waldfläche im Programmgebiet von etwa 5% auf bis zu 14%,
- Schutz vor Wind-, Sand- und Staubstürmen sowie Erosionsprozessen,
- Verbesserung der Lebens- und Wirtschaftsbedingungen der rund 170 Mio. Bewohner der Region, insbesondere der ländlichen und ärmeren Bevölkerung und
- Aufbau nachhaltiger Forst- und Obstwirtschaft zur Armutsbekämpfung und wirtschaftlichen Entwicklung.
Die Chinesischen Klimaziele: Aktueller Stand und Ökologische Bewertung
China bekennt sich zu dem Ziel, bis spätestens 2030 den Höhepunkt seiner CO2-Emissionen zu erreichen und spätestens 2060 klimaneutral („Carbon neutral“) zu werden.
Bis 2025 waren Zwischenziele wie rund 20 Prozent erneuerbare Energien am Endenergieverbrauch, eine Reduktion der CO2-Intensität um 18 Prozent und der Energieintensität um 13 Prozent – gemessen am Bruttoinlandsprodukt – vorgesehen. Der „Peak“ der Emissionen könnte durch den dynamischen Erneuerbaren-Ausbau schon 2025 überschritten werden, wobei der tatsächliche CO2-Ausstoß in den Jahren davor weiter angestiegen ist. Erwähnenswert erscheint in diesem Zusammenhang, dass bei Erreichung der Klimaziele und die Bestimmung, welches Land die Hauptverantwortung für die Klimaerwärmung trägt, auf die sogenannten historischen Emissionen hinzuweisen ist:
China gilt als einer der größten Emittenten, hat seit 1750 mit 220 Milliarden Tonnen, etwas mehr als halb so viel CO2 ausgestoßen wie die USA (410 Milliarden Tonnen). Deutschland schlägt in den historischen Emissionen mit 92 Milliarden Tonnen zu Buche und steht damit hinter Russland und vor Großbritannien auf Platz vier.
Internationale Anerkennung erfährt China durch seine massiven Investitionen in Photovoltaik, Windenergie und Elektromobilität: Die installierten Kapazitäten erneuerbarer Energien wachsen schneller als in jedem anderen Land. Prognosen gehen davon aus, dass China bis 2035 65 % seines Strombedarfs durch erneuerbare Energien abdecken könnte.
Gleichzeitig ist allerdings der Kohleverbrauch historisch hoch, nachdem China noch in der ersten Hälfte der 2010er Jahre etwa 5,7 Millionen Menschen im Kohlebergbau beschäftigte, während in den USA nur etwa 90.000 Beschäftigte nötig waren. Das bedeutet, der chinesische Kohlebergbau benötigte ein Vielfaches an Arbeitskräften pro geförderter Tonne, was auf einen niedrigeren Mechanisierungsgrad und teilweise schlecht ausgestattete, kleine Untertagebergwerke zurückzuführen ist. Kohlekraftwerke werden weiter genehmigt, um Versorgungsengpässe bei der Energieversorgung sicherzustellen und das Wirtschaftswachstum abzusichern. Jedoch sind die Beschäftigtenzahlen im Kohlebergbau inzwischen durch einen höheren Automatisierungsgrad deutlich zurückgegangen. Die Dissonanz zwischen Expansion der Erneuerbaren und dem Festhalten an fossilen Infrastrukturen sorgt für einen unübersehbaren Zielkonflikt.
Aktuell überrascht China mit einer positiven Entwicklung: Im ersten Quartal 2025 sind die Emissionen des Landes erstmals seit Jahren gesunken – trotz des wachsenden Energieverbrauchs. Der Wandel hin zu nachhaltiger Energieversorgung schreitet in Rekordtempo voran.
Chinas Anteil am verbleibenden CO2-Budget („Carbon Budget“) zur nach wie vor verbindlichen Eindämmung der Erderwärmung um 1,5 Grad (Pariser Abkommen von 2015) liegt nach aktuellen Rechnungen bei ca. 12 %. Das Land ist sich seiner mittragenden Schlüsselrolle in der Begrenzung der Erderwärmung bewusst, was sich in der Berücksichtigung der Klimaziele im derzeit diskutierten 15. Fünfjahresplan deutlich niederschlägt. China hat aufgrund seiner über 1,4 Mrd. Einwohner sehr hohe Gesamtemissionen, doch der Pro-Kopf-Ausstoß liegt mit rund 8,3 Tonnen CO2 deutlich unter den Werten der USA und deutlich unter den meisten Industrienationen.
Aus sozial-ökologischer Sicht ist zu konstatieren, dass die enormen Anstrengungen Chinas zur Reduzierung der Eindämmung des CO2-Ausstoßes und der wissenschaftlich belegte vorbildhafte Ausbau an erneuerbaren Energien, gemessen an den Pariser Klimazielen, nicht ausreichen. Die vermutlich politisch nicht mehr durchsetzbare Realisierung der Pariser Vereinbarung von 2015 ist an dieser Stelle nicht zu kommentieren.
Fairerweise ist aber anzumerken, dass bereits vor 40 Jahren westliche Länder damit begannen, energieintensive Produktionen nach China zu verlagern und die Emissionen produktionstechnisch seither China zugeordnet werden. Selbst nach der völkerrechtlich verbindlichen Messung von Emissionen seit 2005 (Basis Kyoto-Protokoll von 1997) hat sich daran nichts verändert. Der westliche Anteil an den Emissionen schwankt, je nach Quellenangabe, zwischen 9 und 20 % der chinesischen Emissionen.
Zwischenfazit zum Projekt „Grüne Mauer“
Das Projekt „Grüne Mauer“ ist eines der wichtigsten globalen Umweltprojekte und ein Experimentierfeld für die Menschheit im Umgang mit Desertifikation, Klimafolgen und Bevölkerungswachstum. Bis zum geplanten Abschluss im Jahr 2050 soll die Waldfläche auf rund 33,6 Millionen Hektar ausgebaut werden und der ökologische Sicherheitsgürtel entlang des Nordens Chinas weitgehend abgeschlossen sein.
Quellen:
https://sdgs.un.org/partnerships/three-north-shelterbelt-program
https://greenspotting.de/schon-wieder-china-nicht-nur-bei-cleantech-auch-bei-der-aufforstung-ist-das-reich-der-mitte-weltweit-vorreiter/
https://de.wikipedia.org/wiki/Chinas_Gr%C3%BCne_Mauer
https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0048969722064531
https://de.wikipedia.org/wiki/ChinasGrueneMauer
https://www.scmp.com/news/china/science/article
Our World in Data, Global Carbon Atlas
https://www.eeas.europa.eu/eeas/china
https://www.isw-muenchen.de/broschueren/reports/6-report-129
https://www.lunapark21.net/aufforstung-in-china-als-vorbild-auch-fuer-afrika
https://www.gtai.de/de/trade/china/specials/klimaziele-klimaneutralitaet-bis-2060
