„Kapital, sagt der Quarterly Reviewer, flieht Tumult und Streit und ist ängstlicher Natur. Das ist sehr wahr, aber doch nicht die ganze Wahrheit. Das Kapital hat einen Horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere.“ Karl Marx MEW Band 23, S. 788

Der Fahrdienst Uber hat sich seit 2009 in über 70 Ländern und 10.000 Städten ausgebreitet. Im Jahr 2024 erwirtschaftete er einen Umsatz von 44,27 Mrd. €. Aber warum zog sich der kalifornische Multi innerhalb der beiden letzten Jahre aus der Hälfte seines afrikanischen Marktes zurück? Stimmte die Kalkulation nicht mehr? War die lokale Konkurrenz zu stark? 

2025 verabschiedete sich Uber aus der Elfenbeinküste, aus Tanzania im Januar 2026, aus Uganda am 2. September, vorläufig letzter Rückzug nach zwölf Jahren aus Nigeria am 13. September, wo Uber 2014 eine Taxi-Revolution verursachte. Dennoch in seinen wichtigsten Märkten Südafrika, Kenya und Ghana (mit e-Motorräder) bleibt Uber im Geschäft (in Marokko über einen Partner). 

Obi, ein kalifornischer Dienstleister für Preis- und Fahrdaten, der mehr als ein halbes Dutzend Fahrdienstvermittlungsplattformen erfasst, hat den Rückzug Ubers analysiert: Der Bericht von Obi umfasste im Halbjahr 2026 mehr als 20.000 von 300 Fahrern geleistete Fahrten.

Die nigerianischen Fahrer drückten einen überdurchschnittlichen Anteil am Fahrtpreis durch. Uber hat bei Kurzfahrten unter 20 km den Fahrern bis zu 23 % mehr gezahlt, als die Fahrgäste selbst bezahlt hatten. Die Fahrer hätten sonst die kurzen Wege abgelehnt. Dabei fuhren sie in Nigeria nur ein Zehntel der Fahrten wie ihre Kollegen in Südafrika. Uber subventionierte die Kurzstrecken, die Konkurrenzunternehmen InDrive  (ein in Russland gegründetes US-Unternehmen) und Bolt, ein Unternehmen aus Estland, nahmen darauf keine Rücksicht und gewannen Terrain. Zum Beispiel hat Bolt mit seinen dreirädrigen Taxis außerhalb von Lagos aktuell einen 66%igen Marktanteil erkämpft. Sagaci Research machte 2024 eine Umfrage bei den nigerianischen Fahrern: die bevorzugte Plattform war mit 47,4 % inDrive vor Uber mit 31,5 % und Bolt 15,8 %. inDrive verlangte nur 10 % Servicegebühren, deutlich weniger als Uber und Bolt. 

Das gleiche Bild in Tanzania: Bolt hatte 2024 mehr als 30.000 Fahrer im Vertrag gegenüber 1.500 für Uber – die Restriktionen bei Fahrpreis und Kommission drückte auch hier die Rentabilität. Ebenso in Uganda, wo Bolt und SafeBoda, ein lokales start-up, lange vor dem Rückzug von Uber fest etabliert, deren Nutzer übernehmen werden – gegen die Konkurrenz von inDrive, das ein alternatives Modell betreibt, Fahrer und Passagier verhandeln den Preis… 

Den Rückzug von Uber mag auch beschleunigt haben, dass Uber durch einseitige Fahrpreissenkungen die Fahrer unterboten hatte, allerdings ihre Kommission zwischen 25 % bis 30 % des Fahrtpreises beibehielt, worauf diese rebellierten und zur Konkurrenz wechselten. Die Preisexplosion für Treibstoff und der Kursschwund der Währung Naira trug auch dazu bei. Uber ist nicht allein auf der Liste der Multis, die Nigeria verlassen haben, infolge der neoliberalen Wirtschaftsreformen 2023 stieg die Inflation stark an (Treibstoffpreis verfünffacht etc.), Procter & Gamble erklärte, Nigeria sei „für ein auf Dollar basierendes Unternehmen ein schwieriger Markt, um Wert zu schaffen“…

Andererseits hatte der CEO von Uber Dara Khosrowshahi eine Änderung der Strategie verkündet und erklärt, der weltweite Personal-Abbau von 10 Prozent diene dazu, sich „auf die größten Chancen zu konzentrieren, die vor uns liegen“ – soll wohl heißen, eine Ausrichtung auf selbstfahrende Taxis, wie bereits mit 15 Robotaxis in London – was in den meisten afrikanischen Städten noch nicht rentabel ist?

Georges Hallermayer, 16. Sept. 2026 

---------------------

Quellen: 

Jeune Afrique 15. Sept. 2026: „Bolt, Yango, Gozem…Qui saura profiter du retrait progressiv d’Uber en Afrique?“

Semafor Afrika 14. Sept. 2026: „Uber paid drivers more than it charged passengers in Nigeria — report“

Deutsche Welle 12. Sept. 2026: „Uber leaves 2 African markets — and drivers in despair“

Semafor Afrika 4. Sept. 2026: „Uber’s Nigeria exit furthers retreat from Africa“